Elektrifizierung als Motor der Energiewende
Zurück
Die Elektrifizierung ist ein zentraler Hebel der Energiewende. Weg von fossilen Brennstoffen, hin zu nachhaltig erzeugtem Strom, so lässt sich der CO₂-Fußabdruck in Industrie, Verkehr und Gebäuden deutlich senken. In ganz Deutschland entstehen daher immer mehr Projekte, die zeigen, wie Elektrifizierung praktisch funktioniert und sich wirtschaftlich rechnet. Sie liefern wertvolle Erfahrungswerte.
Die Bundesregierung verfolgt im Rahmen der Klimaneutralität bis 2045 eine umfassende Elektrifizierungsstrategie. Zentrale Zwischenziele für 2030 sind mehrere Millionen Elektrofahrzeuge auf deutschen Straßen, ein flächendeckender Ausbau der Ladeinfrastruktur, die fast vollständige Elektrifizierung des Schienennetzes sowie ein Anteil von 80 Prozent erneuerbarer Energien an der Stromerzeugung. Doch nur wenn der Ausbau der Erneuerbaren und die Kosteneffizienz konsequent zusammengebracht würden, werde die Energiewende erfolgreich sein, betonte Katherina Reiche in einem Welt-Interview. Damit die Energiewende weiterhin funktioniere, müsse künftig stärker auf vier Dinge geachtet werden: Verlässlichkeit, Versorgungssicherheit, Bezahlbarkeit und die finanzielle Tragfähigkeit des Energiesystems.
Doch wie gelingt Elektrifizierung konkret? Drei Beispiele zeigen, wie Kommunen und Energieversorger nachhaltige Lösungen konsequent umsetzen.
Hybrides Energiesystem Flensburg
Die Stadt Flensburg will ihre Energieversorgung bis 2035 transformieren, um Klimaneutralität zu erreichen. Mit erdgasbetriebenen Gas- und Dampfturbinenanlagen (GuD) haben die Stadtwerke bereits vier von fünf Kohlekesseln außer Betrieb genommen. Damit reduzieren sich die CO₂-Emissionen um rund 40 Prozent bei gleicher Erzeugungsmenge. Zudem können die GuD-Anlagen wesentlich flexibler auf Marktschwankungen reagieren und schnell Strom liefern, wenn Dunkelflaute herrscht. Zwei Wärmespeicher mit insgesamt rund 57 Millionen Litern Fassungsvermögen sind in Betrieb, um die Flexibilität zusätzlich zu erhöhen. Kernstück der Transformation ist die Kombination des Fernwärmenetzes mit einer Meerwasser-Großwärmepumpe. Mit rund 60 Megawatt Leistung soll sie ab 2027 in Betrieb gehen. Ergänzt werden soll das Konzept perspektivisch durch die Nutzung von grünem Wasserstoff. Dirk Thole, kaufmännischer Geschäftsführer der Stadtwerke Flensburg: „Da wir mehr als 90 Prozent aller Haushalte mit Fernwärme versorgen, ist die Transformation der Wärmeerzeugung im Flensburger Heizkraftwerk ein riesiger Hebel, mit der wir fast die ganze Wärmeversorgung der Stadt klimaneutral stellen können. Das ist in Deutschland wohl einzigartig.“
Smart Energy Quartier Freiham
Das Smart Energy Quartier in München-Freiham ist eines der größten Stadtentwicklungsgebiete Europas und dient als Modellquartier für eine nachhaltige, energieeffiziente und smarte Stadtentwicklung. Es ist eng mit dem EU-geförderten Projekt „Smarter Together“ verbunden, das den Fokus auf höchste Energieeffizienz, vernetzte Mobilität und den Einsatz moderner Technologien legt. Bereits vor dem ersten Wohngebäude entstand eine Geothermieanlage, mit der Wärme seit 2016 aus 2.500 Metern Tiefe klimafreundlich für die Versorgung des Gebietes genutzt werden kann. Zudem werden Energieeffizienzmaßnahmen, Photovoltaik, intelligente Mess- und Steuerungssysteme sowie nachhaltige Mobilitätslösungen kombiniert, um erneuerbare Energien von Anfang an in die Quartiersversorgung zu integrieren. Strom, Wärme und Mobilität sind digital vernetzt. Freiham steht damit exemplarisch für eine integrierte, klimabewusste Stadtentwicklung.
Klimaneutrales Freiburg-Dietenbach
In Freiburg-Dietenbach entsteht ein neuer Stadtteil mit rund 6.900 Wohnungen für etwa 16.000 Menschen. Das Energiekonzept sieht eine Versorgung ohne fossile Energieträger vor. Geplant sind energieeffiziente Gebäude, großflächige Photovoltaik, die Nutzung von Grundwasser- und Abwasserwärme sowie erneuerbare Nahwärmestrukturen. Der Spatenstich erfolgte Anfang 2024, die ersten Wohnungen sollen ab 2028 bezugsfertig sein. Ein autoreduziertes Mobilitätskonzept ist integraler Bestandteil der Planung.
Drei Erfolgsfaktoren lassen sich aus diesen Projekten ableiten:
1. Systemdenken statt Einzelmaßnahmen
Strom, Wärme und Mobilität werden integriert geplant. Das erhöht Effizienz und Flexibilität und senkt langfristig Kosten.
2. Digitale Datenintegration
Intelligente Mess- und Steuerungssysteme schaffen Transparenz, optimieren Lastflüsse und ermöglichen eine dynamische Anpassung an Angebot und Nachfrage.
3. Langfristige Investitions- und Planungssicherheit
Großprojekte benötigen stabile regulatorische Rahmenbedingungen, verlässliche Förderstrukturen und kommunale Strategien mit langfristigem Horizont. Nur so lassen sich hohe Anfangsinvestitionen wirtschaftlich tragfähig gestalten.
Die Projekte zeigen: Elektrifizierung ist längst keine abstrakte Vision mehr, sondern konkret umgesetzte Praxis. Dort, wo kommunale Planung, technische Innovation und strategische Investitionen zusammenkommen, wird die Energiewende greifbar – als wirtschaftliche Chance ebenso wie als klimapolitische Notwendigkeit.















