China streicht PV-Exportsteuerrabatt: Warum der Schritt mehr ist als ein Preissignal
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Zum 1. April 2026 hat China die Mehrwertsteuer-Exporterstattung für Photovoltaikprodukte abgeschafft. Damit entfällt ein Instrument, das chinesische PV-Exporte über Jahre verbilligt hat. Bereits Ende 2024 war die Erstattung von 13 auf 9 Prozent gesenkt worden, nun fällt sie für PV-Produkte komplett weg. Für Batterien gilt vorerst noch ein reduzierter Satz von 6 Prozent bis Ende 2026. In der Branche wird der Schritt als klares Signal gewertet: Peking reagiert auf den anhaltenden Preisverfall und den wachsenden Druck durch Überkapazitäten.
Die Entscheidung ist vor allem deshalb relevant, weil China die weltweite Solar-Lieferkette nach wie vor dominiert. Nach Angaben der Internationalen Energieagentur entfallen auf China in den zentralen Fertigungsstufen der PV-Industrie jeweils deutlich mehr als 80 Prozent der globalen Kapazitäten. Zahlen auf Basis der CPIA zeigen für 2024 sogar Anteile von 93,2 Prozent bei Polysilizium, 96,6 Prozent bei Wafern, 92,3 Prozent bei Solarzellen und 86,4 Prozent bei Modulen. Veränderungen bei chinesischen Exportkonditionen bleiben deshalb kaum auf den heimischen Markt begrenzt. Sie wirken direkt auf Preise und Kalkulationen in Europa, Nordamerika und anderen Importmärkten.
Der Zeitpunkt kommt in einer Phase starken Wachstums. Laut IEA-PVPS wurden 2024 weltweit mindestens 554 Gigawatt neue PV-Leistung installiert, möglicherweise sogar deutlich mehr. China allein stand für fast 60 Prozent dieses Zubaus. Gleichzeitig ist der wirtschaftliche Druck in der Industrie enorm. Die IEA verweist darauf, dass die Preise entlang der Solar-Wertschöpfungskette zwischen 2022 und 2024 um rund 50 Prozent gefallen sind. Hauptgrund dafür sind massive Überkapazitäten in China. Für viele Hersteller hat das spürbare Folgen: Die durchschnittlichen Nettomargen integrierter chinesischer Produzenten lagen im vierten Quartal 2024 laut IEA bei rund minus 10 Prozent.
Die Branche sucht nach Stabilisierung
Vor diesem Hintergrund wirkt die neue Exportpolitik wie ein Versuch, den Markt zu beruhigen. Reuters berichtet unter Berufung auf die China Photovoltaic Industry Association, dass der Branchenverband die Abschaffung der Exporterstattung unterstützt. Erwartet wird, dass sich damit der extreme Preisverfall auf Auslandsmärkten etwas abschwächt und zugleich das Risiko neuer Handelskonflikte sinkt. Dass dieser Kurs ausgerechnet von einem Verband aus dem wichtigsten Produktionsland mitgetragen wird, zeigt, wie angespannt die Lage inzwischen ist.
Im Markt mehren sich die Hinweise, dass die Zeit der rekordniedrigen Modulpreise vorerst vorbei sein könnte. Wood Mackenzie spricht von einem Wendepunkt nach rund 18 Monaten außergewöhnlich niedriger Preise. Nach Einschätzung des Analysehauses könnten die jüngsten politischen Veränderungen in China die Modulpreise um etwa 9 Prozent steigen lassen. Zuvor hatten sich die Preise 2024 und Anfang 2025 auf einem historischen Tief von 0,07 bis 0,09 US-Dollar pro Watt bewegt. InfoLink berichtete im Februar 2026 bereits von Neuverhandlungen zahlreicher Exportverträge. Für TOPCon-Module außerhalb Chinas wurde eine Preisspanne von 0,10 bis 0,13 US-Dollar pro Watt genannt.
Auch Hersteller rechnen mit spürbaren Effekten. PV Tech zufolge erwartet Trina Solar kurzfristig steigende Preise und vorgezogene Bestellungen vor Inkrafttreten der Regelung. Jinko Solar hatte sich ähnlich geäußert und erklärt, auf die Änderung vorbereitet zu sein. Gleichzeitig rechnet das Unternehmen mit zusätzlicher Nachfrage aus dem Ausland, solange frühere Konditionen noch genutzt werden können. Solche Vorzieheffekte sind in stark konzentrierten Märkten typisch, wenn politische Eingriffe angekündigt werden.
Was das für Europa heißt
Für Europa ergibt sich daraus ein gemischtes Bild. Kurzfristig dürfte die Abschaffung der Exporterstattung zu höheren Einkaufspreisen führen und die Kalkulation neuer Projekte erschweren. Das gilt vor allem dort, wo die sehr niedrigen Modulpreise der vergangenen Monate bereits fest eingeplant waren. Gleichzeitig könnte sich der Markt mittelfristig etwas stabilisieren. Weniger Preisdruck, mehr Verlässlichkeit und ein etwas planbareres Wettbewerbsumfeld wären für viele Marktteilnehmer durchaus positive Entwicklungen. An der dominierenden Rolle Chinas ändert sich dadurch allerdings wenig. Solange der Großteil der globalen Zell-, Wafer- und Modulproduktion dort gebündelt ist, bleibt das Land der wichtigste Taktgeber im Weltmarkt.
Die Entscheidung aus Peking ist weit mehr als eine steuerliche Detailänderung. Sie greift in einen Weltmarkt ein, der in den vergangenen zwei Jahren von Überangebot, sinkenden Preisen und wachsendem Wettbewerbsdruck geprägt war. Für Projektentwickler, Einkäufer und Installationsunternehmen wächst damit die Unsicherheit auf der Kostenseite. Für die Branche insgesamt lässt sich der Schritt als Signal lesen, dass China 2026 stärker auf Marktstabilisierung und industrielle Konsolidierung setzt. Die Phase immer weiter fallender Preise dürfte damit zumindest weniger selbstverständlich geworden sein.


















