Innerhalb der Energiewende richtet sich die meiste Aufmerksamkeit häufig auf technologische Entwicklungen, Fragen der Bezahlbarkeit und Markttrends. Doch die Menschen, die all dies überhaupt möglich machen, erhalten deutlich weniger Aufmerksamkeit. Während die Energiewende weltweit weiterhin Arbeitsplätze schafft, verlangsamt sich das Tempo dieses Wachstums. Im Jahr 2024 arbeiteten laut dem Bericht Renewable Energy and Jobs: Annual Review 2025 rund 16,6 Millionen Menschen in diesem Bereich, doch das Beschäftigungswachstum bleibt hinter den Erwartungen zurück.
Die Solarenergie bleibt – wie in den vergangenen Jahren – der größte Arbeitgeber im Bereich der erneuerbaren Energien. Weltweit sind rund 7,2 Millionen Menschen in diesem Sektor tätig, die meisten davon in der Produktion, Installation und Wartung von Solaranlagen. Damit entfallen mehr als 40 Prozent aller Arbeitsplätze im Bereich der erneuerbaren Energien auf die Solarenergie.
Andere Sektoren wie Bioenergie, Wasserkraft und Windenergie weisen laut Bericht deutlich geringere Beschäftigungszahlen auf. Insbesondere Offshore-Windenergie und großskalige Wasserkraftprojekte sind kapital- und technologieintensiv, jedoch vergleichsweise weniger arbeitsintensiv als beispielsweise dezentrale Solaranlagen.
Die Forschenden weisen außerdem darauf hin, dass sich auch die Zusammensetzung der Arbeitsplätze verändert. Während der Anteil in der Produktion und Technologieentwicklung gewachsen ist, erfordern Installation und Wartung pro installierter Kapazität inzwischen weniger Arbeitskräfte als noch in den vergangenen Jahren.
China dominiert, Afrika bleibt zurück
Wie sind die Arbeitsplätze weltweit verteilt? Die Forschenden zeigen, dass es hierbei große Ungleichheiten gibt. Es überrascht kaum, dass China mit großem Abstand an erster Stelle steht und mehr als 44 Prozent der weltweiten Beschäftigung im Bereich der erneuerbaren Energien auf sich vereint. Dies ist auf die dominante Rolle des Landes bei der Produktion von Solarmodulen, Batterien und Windturbinen zurückzuführen, ebenso wie auf umfangreiche inländische Investitionen in erneuerbare Energien.
Weitere Länder mit großen Sektoren für erneuerbare Energien sind Indien, Brasilien, die Vereinigten Staaten sowie die Mitgliedstaaten der Europäischen Union. In Europa wächst die Beschäftigung zwar weiter, jedoch langsamer als erhofft – unter anderem aufgrund der starken Konkurrenz aus China sowie Verzögerungen bei Genehmigungsverfahren und dem Netzausbau.
Besonders auffällig ist die Situation in Afrika. Trotz eines enormen Potenzials für Solar- und Windenergie bleibt der Kontinent bei der tatsächlichen Beschäftigung deutlich zurück. Laut Bericht arbeiten dort lediglich einige Hunderttausend Menschen im Bereich der erneuerbaren Energien. Begrenzter Zugang zu Finanzierung, schwache industrielle Wertschöpfungsketten und mangelnde politische Planungssicherheit spielen dabei eine zentrale Rolle.
Die Forschenden ziehen im Bericht vier zentrale Schlussfolgerungen. Erstens besteht eine ungleiche Verteilung der Arbeitsplätze. China bleibt – wie bereits erwähnt – der wichtigste Standort für die Produktion von Solartechnologie. Dies führt zu globalen Ungleichgewichten, die laut den Forschenden auch die unterschiedlichen Niveaus von Engagement und Investitionen widerspiegeln, ebenso wie die ungleiche Fähigkeit zu handeln angesichts verschiedener industrieller Strukturen, Lieferketten, technologischer Abhängigkeiten und der Verfügbarkeit qualifizierter Arbeitskräfte.
Eine weitere Schlussfolgerung lautet, dass Arbeitsplätze im Bereich der erneuerbaren Energien nicht automatisch weiter wachsen, selbst wenn die installierte Kapazität stark zunimmt. Gezielte politische Maßnahmen sind notwendig, um lokale Wertschöpfungsketten zu stärken, Industrien aufzubauen und Beschäftigung gerechter zu verteilen.
Zudem betonen die Forschenden, dass die Menschen im Energiesektor der Schlüssel zum Erfolg sind. Bildung und Qualifizierung sind entscheidend und müssen sich schnell anpassen, um die Fähigkeiten und Kompetenzen bereitzustellen, die für den zukünftigen Energiesektor erforderlich sind. Gleicher Zugang zu Ausbildung und beruflicher Entwicklung muss für alle gewährleistet werden, da die Nachfrage nach qualifiziertem Personal weltweit unvermindert hoch bleibt.
Die letzte Schlussfolgerung betrifft den erheblichen Mangel an Diversität auf dem globalen Arbeitsmarkt. Frauen sehen sich weiterhin mit Hürden bei der Einstellung und beim beruflichen Aufstieg konfrontiert. Menschen mit Behinderungen erhalten erst seit Kurzem mehr Chancen. Indem Gleichberechtigung für alle zur konkreten Realität gemacht wird, erhält der Sektor der erneuerbaren Energien Zugang zu einem breiteren Talentpool und kann gerechtere Ergebnisse erzielen.
Der Bericht warnt davor, dass die Energiewende ins Stocken geraten könnte, wenn Regierungen und Unternehmen nicht ausreichend in Aus- und Weiterbildung, Umschulung und lebenslanges Lernen investieren. Dies betrifft nicht nur neue Arbeitskräfte, sondern auch Beschäftigte aus dem fossilen Energiesektor, die beim Übergang in neue Tätigkeiten begleitet werden müssen.
Politische Entscheidungen werden entscheidend
Regierungen stehen damit vor einer strategischen Entscheidung: Bleibt die Energiewende vor allem ein technologisches und wirtschaftliches Projekt – oder wird sie auch zu einem sozialen Projekt, in dem Beschäftigung, Qualifikationen und Inklusion im Mittelpunkt stehen?
Dieser Artikel ist eine Übersetzung eines Beitrags, der zuvor auf Solar365 erschienen ist.














