Energiewende polarisiert: Mehrheit hält Kurs für richtig – aber Zweifel wachsen
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Trotz breiter Zustimmung zur Energiewende in Deutschland schwindet zunehmend das Vertrauen in ihre Umsetzung. Das zeigt der Energy Transition Future Monitor 2026, eine repräsentative Studie des Instituts für Demoskopie Allensbach im Auftrag der BMW Foundation Herbert Quandt. Befragt wurden zwischen dem 22. November und dem 4. Dezember 2025 insgesamt 1 029 Menschen ab 16 Jahren – und die Ergebnisse zeichnen ein differenziertes Bild der öffentlichen Stimmung.
Mit 43 Prozent folgt noch immer eine relative Mehrheit dem eingeschlagenen Weg aus Atomausstieg und Ausbau erneuerbarer Energien. Im Jahr 2012 lag dieser Wert jedoch noch bei deutlich höheren 73 Prozent. Besonders ausgeprägte Skepsis zeigt sich in Ostdeutschland, wo lediglich ein Drittel der Befragten den Kurs für richtig hält. Auch die politische Zugehörigkeit wirkt sich stark auf die Haltung aus: Anhänger von AfD und FDP lehnen den aktuellen Kurs überwiegend ab, bei Anhängern von Grünen, SPD und Linken überwiegt die Zustimmung. CDU/CSU-Anhänger stehen dem Thema eher gespalten gegenüber.
Ein zentrales Ergebnis der Studie ist der Bedeutungswandel der Energiewende in der Wahrnehmung der Bevölkerung. Erstmals verbinden mehr Menschen den Umbau des Energiesystems primär mit Risiken statt mit Chancen. Steigende Energiepreise, veränderte Landschaftsbilder und vor allem Sorgen um die Versorgungssicherheit stehen im Vordergrund. Mehr als drei Viertel der Befragten erwarten, dass die Energiewende hohe finanzielle Belastungen für Haushalte und Wirtschaft mit sich bringt. Viele befürchten negative Folgen für die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft und den Erhalt von Arbeitsplätzen. Gleichzeitig rechnet nur eine Minderheit mit spürbaren wirtschaftlichen Vorteilen oder sinkenden Stromkosten.
Auch das Thema Klimaschutz verliert in der öffentlichen Priorität: Zwar zeigen weiterhin viele Menschen Sorge um die Folgen der Erderwärmung, doch hat dieser Aspekt in den letzten Jahren an Dringlichkeit eingebüßt – teilweise ausgelöst durch die Vielzahl gleichzeitiger Krisen, von geopolitischen Spannungen bis zu wirtschaftlichen Herausforderungen.
Trotz dieser wachsenden Skepsis bleibt ein breiter Konsens bestehen, was die Rolle des Staates betrifft: Eine deutliche Mehrheit der Bevölkerung spricht sich dafür aus, dass die Politik den Ausbau erneuerbarer Energien und insbesondere Bürgerenergieprojekte finanziell unterstützen sollte. Photovoltaik wird dabei als ein wesentlicher Baustein zur Sicherung einer stabilen Energieversorgung gesehen.
Ein weiterer Befund: Informationsdefizite sind nach wie vor weit verbreitet. Lediglich ein Drittel der Befragten fühlt sich gut über Ziele und Fortschritte der Energiewende informiert. Viele wünschen sich klarere Kommunikation, mehr Transparenz und verlässliche Perspektiven – insbesondere angesichts der empfundenen Risiken für die eigene finanzielle und wirtschaftliche Lage.
Die Initiatorinnen und Initiatoren der Studie sehen in diesen Ergebnissen einen klaren Appell an Politik und Gesellschaft. Energie sei nicht nur ein zentraler Faktor für den Klimaschutz, sondern zunehmend auch für geopolitische Stabilität, wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit und gesellschaftlichen Zusammenhalt. Nur eine Energiewende, die sichere, bezahlbare und saubere Energie gewährleiste und zugleich Vertrauen in ihre Umsetzung stärke, könne breite Unterstützung gewinnen und langfristig erfolgreich sein.


















