PV-Installation unter Druck: Wie Fachkräftemangel, Margendruck und Prozesskomplexität den Markt verändern

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01.04.2026 Hauptartikel
Sebastian Wittag Sebastian Wittag Journalist
PV-Installation unter Druck: Wie Fachkräftemangel, Margendruck und Prozesskomplexität den Markt verändern
© Raze Solar / Unsplash

Der deutsche PV-Markt wächst weiter mit hoher Dynamik: Allein 2024 wurden laut Bundesnetzagentur 16,2 Gigawatt neue Solarleistung zugebaut; Ende 2025 lag die installierte Gesamtleistung bereits bei rund 117 Gigawatt. Um das gesetzliche Ausbauziel von 215 Gigawatt bis 2030 zu erreichen, wären künftig im Schnitt 19,6 Gigawatt Zubau pro Jahr nötig. Gleichzeitig bleiben die operativen Engpässe in den Betrieben hoch: Im Handwerk fehlten 2024 im Jahresdurchschnitt rund 107.700 Fachkräfte, rechnerisch blieb etwa jede zweite offene Stelle unbesetzt. Für Installationsunternehmen steigt damit der Druck, Projekte schneller, präziser und wirtschaftlicher abzuwickeln – insbesondere bei der Planung und Umsetzung integrierter Energielösungen aus PV, Speicher, Wärmepumpe und Ladeinfrastruktur.

Zu diesem Thema sprechen wir mit Etienne-Noel Krause, Co-Founder von autarc, einem Softwareanbieter für Installationsbetriebe im Bereich erneuerbare Energien:

Der PV-Markt wächst rasant, gleichzeitig klagen viele Betriebe über Fachkräftemangel und steigenden Kostendruck. Wo sehen Sie aktuell die größten Pain Points für Installationsunternehmen?
Die größten Herausforderungen für Installationsbetriebe im PV-Markt sind die Kombination aus wachsender Nachfrage und Fachkräftemangel. Der Markt wird zunehmend wettbewerbsintensiver, während sich interne Prozesse kaum effizienter gestalten. Das führt dazu, dass trotz steigender Nachfrage der Fachkräftemangel bestehen bleibt. Gleichzeitig erfordert der zunehmende Wettbewerb deutlich mehr Zeit für Vertrieb und Datenerfassung. Die Integration von PV-Anlagen, Wärmepumpen, Speichern und Wallboxen ist komplex und erfordert fundiertes Fachwissen. Insbesondere die Sektorenkopplung – die Verbindung von Strom, Wärme und Mobilität – gewinnt zunehmend an Bedeutung. Diese Komplexität erfordert eine effizientere Arbeitsweise, bei der digitale Softwarelösungen ein klarer Treiber sind, um Prozesse zu optimieren und Kapazitäten besser auszunutzen.

Viele Installateure berichten, dass Planung, Angebotserstellung und Projektkoordination viel Zeit binden. Welche Prozesse verursachen Ihrer Beobachtung nach die größten Effizienzverluste im Alltag?
Ein großer Teil der Effizienzverluste liegt in der Vorqualifikation von Kunden. Viele Installateure haben keinen strukturierten Leitfaden, um zu entscheiden, welche Kunden sie wirklich vor Ort besuchen sollen. Das führt zu unnötigen, zeitaufwendigen Terminen, bei denen der Aufwand oft unverhältnismäßig hoch ist. Auch der Vororttermin selbst ist noch sehr manuell: Daten werden mit schlechter Bildqualität aufgenommen, Analysen dauern zu lange. Photogrammetrie kann die Datenaufnahme von 24 Stunden auf zehn Minuten reduzieren – ein enormer Effizienzgewinn zu Beginn des Projekts. Hinzu kommt die fehleranfällige Verknüpfung von Planung und Angebotserstellung. Oft werden Personen ohne ausreichende Fachkenntnis auf Baustellen geschickt, die falsche oder unvollständige Daten aufnehmen – Fehler, die erst bei der Installation auffallen. KI kann helfen, diese Fehler zu minimieren und die Datenerfassung zu beschleunigen.

Der Margendruck nimmt zu – unter anderem durch Wettbewerb, volatile Modulpreise und steigende Kundenanforderungen. Wie können Installationsbetriebe ihre Wirtschaftlichkeit trotzdem sichern?
Der Margendruck entsteht durch steigenden Wettbewerb, volatile Modulpreise und höhere Kundenanforderungen. Installationsbetriebe können ihre Wirtschaftlichkeit sichern, indem sie ihre Prozesse gezielt effizienter gestalten – etwa durch digitale Tools und KI, die Planungseffizienz steigern und Ressourcen besser einsetzen. Konkret: Mit unserem LIDAR-Scan erfasst ein Installateur ein Gebäude in 15–20 Minuten statt in drei Stunden, und statt 24 Stunden auf ein Photogrammetriemodell zu warten, liegen die Daten in zehn Minuten vor. Auch unsere KI-gesteuerten Telefonate sparen Zeit: Der KI-Agent übernimmt das Erstgespräch, filtert relevante Anfragen heraus und leitet nur die wirklich wichtigen weiter. Das schafft einen klaren Wettbewerbsvorteil und mindert den Margendruck spürbar.

Ein häufiges Problem ist der Spagat zwischen wachsender Nachfrage und begrenzten personellen Ressourcen. Welche Rolle können digitale Tools dabei spielen, Teams zu entlasten und Prozesse zu skalieren?
Der Spagat zwischen wachsender Nachfrage und begrenzten personellen Ressourcen Digitalisierung und KI spielen eine zentrale Rolle. Unternehmen, die ihre Ressourcen nicht ständig erweitern wollen, müssen auf Lösungen setzen, die Prozesse automatisieren und den Arbeitsaufwand reduzieren. Die Autarc-Software ermöglicht es Installateuren, die gesamte Projektplanung für erneuerbare Energien effizient zu steuern und gleichzeitig wiederkehrende Aufgaben wie Datenaufnahme und Dokumentation zu automatisieren. So können Betriebe mit begrenzten Ressourcen trotzdem eine wachsende Kundenzahl betreuen. Oft ist nicht die Installation selbst das Problem, sondern die zeitaufwendige und fehleranfällige Dokumentation und Nachbereitung – die sich mit digitalen Systemen erheblich reduzieren lässt, sodass Installateure sich stärker auf die Wertschöpfung konzentrieren können.

Gerade kleinere und mittelständische Installationsbetriebe tun sich oft schwer mit Digitalisierung. Welche Hürden beobachten Sie bei der Einführung neuer Softwarelösungen?
Ein häufiges Hindernis ist der Umstellungsaufwand und die Skepsis gegenüber neuen Technologien. Viele kleine und mittelständische Betriebe sind manuelle Prozesse gewöhnt und befürchten, dass neue Software zu komplex oder zeitaufwendig in der Einführung ist. Unser Ansatz bei Autarc ist es, benutzerfreundliche und einfach integrierbare Lösungen anzubieten, die keine umfangreiche Schulung erfordern und schnell implementiert werden können. Der Effizienzgewinn durch die Digitalisierung ist dabei direkt und unmittelbar erlebbar.

Mit Blick auf Netzanschlüsse, Genehmigungen und Dokumentation wird der administrative Aufwand immer komplexer. Wie können Installateure diese regulatorischen Anforderungen effizienter bewältigen?
Die Verwaltung von Netzanschlüssen, Genehmigungen und Dokumentation wird immer komplexer. Unsere Software hilft Installateuren, alle notwendigen Dokumente schnell und fehlerfrei zu erstellen. KI analysiert die relevanten Daten und stellt sicher, dass alle

regulatorischen Anforderungen erfüllt werden – ohne großen manuellen Aufwand. Das spart nicht nur Zeit, sondern reduziert auch die Fehlerquote und ermöglicht es Betrieben, sich auf ihre Kernaufgaben zu konzentrieren, ohne sich ständig mit administrativen Aufgaben belasten zu müssen.

Wenn Sie in die nächsten drei bis fünf Jahre schauen: Welche strukturellen Veränderungen erwarten Sie im Installationsmarkt – und worauf sollten sich PV-Betriebe heute vorbereiten?
In den nächsten drei bis fünf Jahren erwarten wir erhebliche strukturelle Veränderungen im Installationsmarkt. Betriebe müssen zunehmend als Anbieter integrierter Energielösungen auftreten – von PV über Wärmepumpen bis hin zu Speichern und Elektromobilität. KI wird dabei eine Schlüsselrolle bei Planung und Projektkoordination spielen. Autarc bereitet Betriebe darauf vor, indem wir eine Software bereitstellen, die nicht nur einzelne Technologien, sondern auch komplexe, multifunktionale Energielösungen effizient steuert. Betriebe, die heute schon auf digitale Tools und KI setzen, werden sich in den nächsten Jahren klar als Vorreiter positionieren.

Etienne-Noel Krause, Co-Founder von autarc