Studie sieht weiter Bedarf für Gaskraftwerke trotz wachsender Speicherflotte
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Batteriespeicher gewinnen für das künftige Stromsystem in Deutschland zwar stark an Bedeutung. Nach Einschätzung der Thema Consulting Group werden sie jedoch auch im Jahr 2035 nicht ausreichen, um regelbare Gaskraftwerke vollständig zu verdrängen. Vor allem in längeren Dunkelflauten bleibe gesicherte thermische Leistung notwendig, um Versorgungssicherheit und Preisstabilität zu gewährleisten.
Im Mittelpunkt der Analyse steht die Frage, wie sich unterschiedliche Ausbaupfade bei Batteriespeichern und Gaskraftwerken auf Strompreise, Emissionen und Systemsicherheit auswirken. Die Autoren modellieren dafür ein Ausgangsszenario, in dem nach 2027 weder neue Gaskraftwerke noch zusätzliche Batteriespeicher gebaut werden. Für 2035 ergibt sich in dieser Rechnung ein angespanntes Bild: An rund 400 Stunden würden an der Strombörse Preisspitzen von 1.000 Euro je Megawattstunde auftreten. Die kritischen Phasen liegen demnach vor allem zu Jahresbeginn sowie in den späten Herbst- und Wintermonaten. Grundlage der Modellierung sind Wetterdaten aus dem Jahr 1985.
Gaskraftwerke drücken Preisspitzen deutlicher
In weiteren Szenarien simuliert Thema den Zubau von bis zu 30 Gigawatt Gaskraftwerksleistung in 5-Gigawatt-Schritten sowie von bis zu 90 Gigawatt Batteriespeicherleistung in 10-Gigawatt-Schritten. Beim Speicherportfolio unterstellen die Analysten einen Mix aus Zwei-, Vier- und Sechs-Stunden-Systemen. Das Ergebnis fällt klar aus: Zusätzliche Batterien können Knappheitssituationen abfedern, stoßen bei länger anhaltenden Unterdeckungen aber an Grenzen. Ab einer Größenordnung von etwa 70 Gigawatt zusätzlicher Speicherleistung nimmt der Beitrag zur Versorgungssicherheit laut Studie kaum noch zu.
Sehr viel stärker wirkt in der Modellierung zusätzliche regelbare Kraftwerkskapazität. Schon 20 Gigawatt neue Gaskraftwerke würden die Zahl extremer Preisstunden von knapp 400 auf etwa 100 reduzieren. Selbst ein Ausbau um 90 Gigawatt Batteriespeicher senkt diesen Wert dagegen nur auf rund 200 Stunden. Erst die Kombination beider Technologien glättet die kritischen Phasen weitgehend: Mit 30 Gigawatt zusätzlicher Gaskraftwerksleistung und mindestens 50 Gigawatt Batteriespeichern ließen sich die Preisspitzen im Modell vollständig vermeiden.
Zugleich macht die Untersuchung deutlich, dass neue Gaskraftwerke nicht für den Dauerbetrieb vorgesehen wären. Sie kämen vor allem in Engpasssituationen zum Einsatz und würden entsprechend geringe Auslastungen erreichen. Thema beziffert diese auf lediglich 8 bis 14 Prozent. Genau darin liegt jedoch auch das Dilemma: Das System braucht solche Kapazitäten als Absicherung, wirtschaftlich attraktiv sind sie bei wenigen Betriebsstunden aber nur begrenzt.
Auch bei Emissionen zeigt sich ein differenziertes Bild
Beim Klimaeffekt zeichnet die Studie kein schlichtes Entweder-oder. Batteriespeicher können demnach den Gasverbrauch in kritischen Stunden spürbar verringern und die CO2-Emissionen deutlich senken. Für zusätzliche Gaskraftwerke erwarten die Analysten auf europäischer Ebene dagegen nur begrenzte Mehrbelastungen, weil moderne Anlagen in Deutschland teilweise ineffizientere fossile Erzeugung in Nachbarstaaten verdrängen könnten.
Damit verdichtet sich ein Befund, der für die energiepolitische Debatte zentral sein dürfte: Batteriespeicher werden zu einem tragenden Pfeiler des Stromsystems, ersetzen gesicherte Leistung aber auf absehbare Zeit nicht vollständig. Für ein von Erneuerbaren geprägtes Energiesystem kommt es daher weniger auf das Gegeneinander von Speicher und Gas an als auf ein belastbares Zusammenspiel beider Optionen.


















