V2G-Technologie: Wie E-Autos zur Energiewende beitragen können

Zurück
20.05.2026 Hauptartikel
Kristina  Pfeil Kristina Pfeil Journalistin
V2G-Technologie: Wie E-Autos zur Energiewende beitragen können

Elektroautos könnten künftig weit mehr sein als nur ein Verkehrsmittel. Mit der Vehicle-to-Grid-Technologie (V2G) werden sie zu mobilen Stromspeichern, die Energie nicht nur aufnehmen, sondern auch wieder ins Stromnetz zurückspeisen können. V2G gilt damit als ein Baustein für die Energiewende in Deutschland.

Die Idee dahinter ist einfach: Steht ein E-Auto ungenutzt an der Wallbox, kann seine Batterie überschüssigen Strom aus Wind- oder Solaranlagen zwischenspeichern. Wird später mehr Energie benötigt, speist das Fahrzeug Strom zurück ins Netz. Smart vernetzte Fahrzeuge könnten so helfen, Lastspitzen auszugleichen und das Stromsystem flexibler zu machen.

Das Potenzial wächst mit dem Fahrzeugbestand. Zum 1. Januar 2026 waren laut Kraftfahrt-Bundesamt erstmals mehr als zwei Millionen reine Elektro-Pkw in Deutschland zugelassen – Tendenz steigend. Zugleich verbessert sich der regulatorische Rahmen. Seit 2026 ist Strom, der aus E-Autos zurück ins Netz gespeist wird, nicht mehr doppelt mit Netzentgelten belastet. Offen bleiben aber Detailfragen, etwa zur Stromsteuer, zur Zertifizierung bidirektionaler Wallboxen und zur standardisierten Kommunikation zwischen Fahrzeug, Wallbox und Netzbetreiber.

Auch die Bundesnetzagentur arbeitet an klareren Regeln. Das Festlegungsverfahren „Marktintegration von Speichern und Ladepunkten“ (MiSpeL) soll neue Optionen für die marktaktive Nutzung von Speichern und Ladepunkten schaffen. Das Verfahren wurde im Juli 2025 eröffnet; die endgültige Festlegung muss bis zum 1. Juli 2026 in Kraft treten. Ziel ist es, bidirektionales Laden und flexible Speicheranwendungen besser in Markt- und Abrechnungsprozesse einzubinden.

Große Potenziale, aber noch viele Hürden

Eine Studie der Forschungsstelle für Energiewirtschaft (FfE) sieht V2G als wichtigen Hebel, um Elektromobilität und Energiesystem besser zu verbinden. Die Roadmap enthält elf Handlungsempfehlungen an Politik, Bundesnetzagentur, Normungsgremien und Netzbetreiber – unter anderem zu flexiblen Netzanschlüssen, Experimentierklauseln und einheitlichen Marktprozessen.

Erste Fortschritte in Deutschland

Der Markt kommt langsam in Bewegung, erste marktreife V2G-Angebote sind vorhanden beziehungsweise angekündigt. Der ADAC nennt die Kombination aus BMW iX3, BMW Wallbox Professional und E.ON-Tarif. BMW und E.ON haben das Paket im Februar 2026 für Privatkunden bestellbar gemacht. Kundinnen und Kunden können so bis zu 720 Euro Bonus pro Jahr erhalten; zusätzlich wird tatsächlich entladener Strom mit 40 Cent pro Kilowattstunde kompensiert.

Weitere Hersteller bereiten Angebote vor. So hat Mercedes-Benz V2G für 2026 angekündigt, unter anderem für den vollelektrischen GLC. Volkswagen und der Anbieter von Energie- und Ladelösungen Elli planen ab dem vierten Quartal 2026 ein integriertes V2G-Angebot für Privatkunden in Deutschland – inklusive Fahrzeug, App, Stromtarif, Smart Meter, Wallbox und Installation.

V2G als Baustein der Energiewende

V2G allein wird die Energiewende nicht lösen. Die Technologie kann aber helfen, erneuerbare Energien besser zu nutzen, Stromnetze zu entlasten und flexible Speicherleistung dezentral bereitzustellen. Millionen E-Autos könnten künftig wie ein virtuelles Kraftwerk wirken – vorausgesetzt, Technik, Regulierung und Geschäftsmodelle greifen ineinander. Für Fahrzeughalter entstehen dadurch neue Einnahme- und Sparmöglichkeiten. Für das Energiesystem entsteht ein zusätzlicher Flexibilitätspuffer, der mit dem Ausbau von Wind- und Solarstrom immer wichtiger wird.