Zirkularität von Heimbatterien: Rohstofflager der Energiewende

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06.03.2026 News
Kristina  Pfeil Kristina Pfeil Journalistin
Zirkularität von Heimbatterien: Rohstofflager der Energiewende

Millionen Heimbatterien, die heute Deutschlands Energiewende stützen, könnten morgen zur wichtigen Rohstoffquelle werden – vorausgesetzt, es gelingt, sie systematisch in den Kreislauf zurückzuführen. Das würde Abhängigkeiten von Importen reduzieren, CO₂-Emissionen senken und hierzulande eine eigene Batteriewertschöpfung stärken. All das macht die Zirkularität von Heimbatterien zu einer industriepolitischen Chance.

Die Kapazität stationärer Stromspeicher hat sich in nur vier Jahren mehr als verfünffacht. Laut Bundesverband Solarwirtschaft (BSW-Solar) wurden 2025 knapp 600.000 neue stationäre Batteriespeicher mit einer Kapazität von insgesamt rund 6,5 Gigawattstunden neu in Betrieb genommen. Insgesamt sind rund 2,4 Millionen Batteriespeicher in Deutschland in Betrieb, meist kombiniert mit Photovoltaik. Die Gesamtkapazität liegt bei über 25 Gigawattstunden. Das ist genug, um den durchschnittlichen Tagesstromverbrauch von mehr als drei Millionen Zwei-Personen-Haushalten zu speichern. Die Entwicklung zeigt damit in die richtige Richtung, doch das Ausbautempo gilt als unzureichend. Nach Einschätzung des BSW-Solar müsste sich der jährliche Ausbau von Speicherkapazitäten mehr als verdoppeln, um die Stromversorgung in den kommenden Jahren effizient und weitestgehend auf erneuerbare Energien umzustellen. Dafür bedürfe es einer weiteren Verbesserung der regulatorischen Rahmenbedingungen.

Sinkende Preise für Batteriespeicher

An den Preisen für Batterien wird es jedenfalls nicht scheitern. Laut BloombergNEF (BNEF) fielen die durchschnittlichen Batteriepreise 2025 um 8 Prozent auf 108 US-Dollar pro Kilowattstunde. Stationäre Speicher erreichten mit 70 US-Dollar pro Kilowattstunde einen historischen Tiefstand. Treiber sind Überkapazitäten und ein steigender Wettbewerb.

Soweit der Status quo. Doch wie steht es um die Kreislauffähigkeit dieser Systeme? Die meisten derzeit verwendeten stationären Batteriespeicher basieren auf der Lithium-Ionen-Technologie, heute vor allem auf Lithium-Eisenphosphat-(LFP)-Zellen. Diese kommen zwar ohne kritische Rohstoffe wie Kobalt und Nickel aus (anders als die herkömmlichen NMC-Zellen). Dennoch enthalten sie wertvolle Materialien wie Lithium, Kupfer und Graphit, wobei rund 70 Prozent des weltweit genutzten Graphits aus China stammen.

Klassische Recyclingverfahren wie die Pyro- und Hydrometallurgie sind energieintensiv und rechnen sich wirtschaftlich für Batterien mit einem hohen Anteil an wertvollen Materialien wie Nickel, Mangan und Kobalt (NMC). Für LFP-Batterien mit geringerem Materialwert werden daher neue Ansätze benötigt, um Recyclingquoten wirtschaftlich zu steigern und echte Kreisläufe zu schließen.

Direktrecycling als Schlüssel zur europäischen Wertschöpfung

Hier setzt das EU-Projekt „ReUse“ an, das vom Fraunhofer-Institut für Silicatforschung ISC in Würzburg koordiniert wird. Ziel ist ein Direktrecycling, bei dem Kathoden- und Anodenmaterialien in ihrer ursprünglichen Struktur erhalten bleiben. Statt sie in Metallsalze zu zerlegen, werden sie separiert, regeneriert und direkt wieder in neuen Batterien eingesetzt. Auf diese Weise sollen Aktivmaterialien zurückgewonnen werden, deren Neuproduktion bislang überwiegend in Asien stattfindet. Jeder installierte Heimspeicher würde so perspektivisch zum Rohstoffdepot.

Zum Einsatz kommen automatisierte Demontage, KI-gestützte Sortierung, robotergestützte Prozesse sowie neuartige Verfahren wie die Nutzung von superkritischem CO₂ zur schonenden Entfernung von Bindemitteln. Das spart Energie, reduziert CO₂-Emissionen und erhält die Materialqualität.

Zirkularität von Anfang an mitdenken

Zirkularität beginnt jedoch nicht erst am Lebensende eines Produkts. Sie umfasst langlebiges Design, modulare Bauweisen, transparente Materialpässe und regulatorische Anreize. Hersteller müssen Recyclingfähigkeit mitdenken, Netzbetreiber und Politik passende Rahmenbedingungen schaffen.