„Das Potenzial von Agri-Photovoltaik ist riesig!“
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Gleich in mehreren Studien hat das Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE das Flächenpotenzial für Agri-Photovoltaik in Deutschland erhoben. Das Ergebnis: Bereits auf den am besten geeigneten Flächen könnten 500 Gigawatt Peak Solarleistung installiert werden. Doch wie sieht es damit in der Realität aus? Sustainable Media 365 hat mit Thomas Franke, Geschäftsführer AgriPV-Solutions, gesprochen.
Welche Vorteile bieten Agri-PV-Anlagen, sowohl in ökonomischer als auch in agronomischer Hinsicht, und für wen sind sie besonders interessant?
Agri-Photovoltaik ist im Kern eine Effizienzrevolution: Wir erzeugen gleichzeitig Lebensmittel und Energie auf derselben Fläche. Für Betriebe bedeutet das zusätzliche planbare Einnahmen und mehr Resilienz gegenüber Klimarisiken. Gleichzeitig profitieren viele Kulturen von einem verbesserten Mikroklima, etwa durch geringere Verdunstung oder Schutz vor Extremwetter. Besonders interessant ist Agri-PV daher für Betriebe mit Sonderkulturen, in trockenen Regionen oder überall dort, wo wirtschaftlicher Druck und Klimaanpassung zusammenkommen. Wir haben bereits über zehn Anlagen erfolgreich umgesetzt und sind davon überzeugt, dass es funktioniert. Begleitend untersucht auch das Fraunhofer Institut ISE den Zusammenhang zwischen Agri-PV-Anlagen und unterschiedlichen Sonderkulturen, wie unter anderem im Wein-, Apfel-, Birnen-, Kirschen-, Beeren- und Haselnussanbau. Die Ergebnisse geben uns Recht.
Worauf sollten Betriebe und Flächeneigentümer bei der Planung und Nutzung von Agri-PV besonders achten?
Agri-PV funktioniert nur dann gut, wenn Landwirtschaft und Energie konsequent zusammengedacht werden. Entscheidend sind ein standortangepasstes Design, die richtige Kulturwahl und die volle Integration in die Bewirtschaftung. Wer Agri-PV wie eine klassische Freiflächenanlage plant, wird scheitern. Es ist immer ein maßgeschneidertes System, das agronomische und wirtschaftliche Ziele gleichzeitig erfüllen muss. Ebenso muss ein landwirtschaftliches Nutzungskonzept speziell für die Bearbeitung der Flächen erstellt werden.
Welche besonderen Chancen bietet dabei Tracking Agri-PV im Vergleich zu statischen Systemen?
Tracking-Systeme heben Agri-PV auf ein neues Niveau, weil sie Licht aktiv steuern können. Das bedeutet: mehr Stromertrag und gleichzeitig bessere Bedingungen für die Pflanzen. Gerade bei anspruchsvollen Kulturen kann diese Flexibilität den entscheidenden Unterschied machen. Der Mehrwert ist groß, allerdings auch die technische Komplexität, weshalb sich Tracking vor allem bei hochwertigen Anwendungen lohnt.
Wie bewerten Sie den aktuellen Markt für Agri-PV in Deutschland und wie groß ist das Potenzial in den kommenden Jahren?
Der Agri-PV-Markt in Deutschland steht noch am Anfang, entwickelt sich aber dynamisch. Das Interesse ist enorm, weil die Technologie gleich mehrere zentrale Herausforderungen löst: Energieausbau, Flächenkonflikte und Klimaanpassung. Das Potenzial ist riesig. Entscheidend wird sein, wie schnell regulatorische Hürden abgebaut und verlässliche Rahmenbedingungen geschaffen werden. Dann kann Agri-PV vom Nischenkonzept zu einem zentralen Baustein der Energiewende werden.
Zum Autor:
Thomas Franke ist Co-Founder und Geschäftsführer der AgriPV-Solutions GmbH. Das 2022 gegründete Unternehmen verkauft seine nachhaltigen und gewinnbringenden Agri-Photovoltaik-Lösungen im gesamten DACH-Raum. Geeignet sind diese jeweils individuell geplanten Lösungen für den Einsatz von Agri-PV im Obst-, Beeren- und Weinbau sowie dem Ackerbau, der Grünlandbewirtschaftung und der Tierhaltung.

















