Abschaffung des Gebäudeenergiegesetzes (GEG) – eine gute Idee?
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Das Gebäudeenergiegesetz (GEG) war von Beginn an umstritten. Kaum ein anderes Vorhaben der vergangenen Legislaturperiode hat die Gemüter so erhitzt – politisch wie gesellschaftlich. Nun sieht der Koalitionsvertrag von CDU/CSU vor, das Gesetz in seiner bisherigen Form abzuschaffen. Begründet wird dies mit dem Wunsch nach mehr Technologieoffenheit, weniger Bürokratie und größerer Entscheidungsfreiheit für Eigentümer. Doch ein genauerer Blick zeigt: Die Realität ist komplexer.
Aus Sicht der Union steht das GEG sinnbildlich für eine übergriffige Klimapolitik. Starre Vorgaben beim Heizungstausch, ein hoher Erklärungsbedarf und Unsicherheit bei den Kosten hätten viele Hausbesitzer verunsichert. Künftig soll stärker auf Anreize statt auf Pflichten gesetzt werden. Klimaschutz im Gebäudesektor ja – aber ohne detaillierte gesetzliche Vorgaben.
Bemerkenswert ist jedoch, dass ausgerechnet das ausführende Gewerbe diese Linie nicht uneingeschränkt teilt. Viele Installateure und Handwerksbetriebe sprechen sich gegen eine ersatzlose Abschaffung des GEG aus. Ihr Argument: Verlässliche Rahmenbedingungen sind für Investitionen, Personalplanung und Beratungsgespräche unerlässlich. Politische Kurswechsel in kurzer Folge führten hingegen zu Zurückhaltung bei Kunden, Terminverschiebungen und erheblichem Mehraufwand im Alltag der Betriebe.
Auch der Markt sendet ein klares Signal. Trotz politischer Debatten und veränderter Mehrheitsverhältnisse steigen die Verkaufszahlen von Wärmepumpen weiter. Der Trend zur Elektrifizierung der Wärmeversorgung ist längst nicht mehr allein gesetzlich getrieben. Hohe Gaspreise, CO₂-Kosten und attraktive Förderprogramme haben die Wirtschaftlichkeit moderner Heizsysteme spürbar verbessert. Viele Eigentümer entscheiden sich unabhängig von gesetzlichen Pflichten für zukunftsfähige Lösungen.
Vor diesem Hintergrund warnt der Bundesverband Wärmepumpe (BWP) vor einem politischen Rückzieher ohne tragfähige Alternative. Der Verband betont, dass Planungssicherheit entscheidend sei – sowohl für Verbraucher als auch für Hersteller und Handwerksbetriebe. Investitionen in Produktionskapazitäten, Weiterbildung und Fachkräfteaufbau basieren auf langfristigen Erwartungen. Eine Abschaffung des GEG ohne klaren Nachfolger könnte dieses Vertrauen beschädigen.
Die eigentliche Frage lautet daher nicht, ob das Gebäudeenergiegesetz reformbedürftig ist – das ist es zweifellos. Entscheidend ist, wie eine Weiterentwicklung aussieht. Weniger Komplexität, realistische Übergangsfristen und eine stärkere soziale Flankierung könnten Akzeptanz schaffen, ohne den Klimaschutz im Gebäudesektor auszubremsen.
Die Abschaffung des GEG mag politisch attraktiv erscheinen, sie birgt jedoch erhebliche Risiken. Was der Markt und das Handwerk brauchen, sind verlässliche, verständliche und langfristige Leitplanken – nicht ein regulatorisches Vakuum.

















