Heizen mit der Luft-Luft-Wärmepumpe: Wenn die Klimaanlage zur Heizung wird
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Klimaanlagen gelten vielen als reine Sommertechnik. Doch moderne Geräte können längst mehr als nur kühlen. Viele Systeme arbeiten heute als sogenannte Luft-Luft-Wärmepumpen und können Räume auch effizient beheizen – ein Potenzial, das lange Zeit unterschätzt wurde.
Das Funktionsprinzip einer solchen Anlage ist schnell erklärt: Eine Luft-Luft-Wärmepumpe (technisch häufig als Split-Klimaanlage umgesetzt) entzieht der Außenluft Wärme, hebt deren Temperaturniveau über einen Kältemittelkreislauf an und gibt die Energie als warme Luft im Gebäude ab. Im Sommer läuft der Prozess umgekehrt. Dann wird Wärme aus dem Innenraum nach außen abgeführt.
Der wesentliche Unterschied zu den weiter verbreiteten Luft-Wasser-Wärmepumpen liegt in der Wärmeverteilung. Während Luft-Wasser-Wärmepumpen Heizkörper oder Fußbodenheizungen versorgen, gibt die Luft-Luft-Wärmepumpe die Wärme direkt über Innengeräte als warme Luft in den Raum ab. Dadurch entfällt ein wassergeführtes Heizsystem, was die Installation deutlich vereinfacht.
Effizient und zunehmend gefragt
Diese Vorteile rücken zunehmend in den Fokus, sodass sich der Markt für Luft-Luft-Wärmepumpen dynamisch entwickelt. Laut Mitteilung des Fachverbands Gebäude-Klima von September 2025 erreichte der Markt im Jahr 2020 seinen bisherigen Höchststand mit mehr als 330.000 Geräten. Abgefragt wurden Daten zu Außenluft-Raumluft-Wärmepumpen in Split-, Multi-Split oder VRF-Ausführung (Variable Refrigerant Flow). Trotz leichtem Rückgang bis 2023 wurden demnach seit 2024 wieder steigende Zahlen verzeichnet. Seit 2022 wächst zudem der Anteil der Geräte, die gezielt zum Heizen eingesetzt werden – eine positive Entwicklung: Denn Luft-Luft-Wärmepumpen können laut einer Studie des ITG Dresden erheblich zur Energieeinsparung und Dekarbonisierung im Gebäudesektor beitragen.
Da sich die Luft-Luft-Wärmepumpen durch höchste Energieeffizienz auszeichnen, wurden sie in die Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) aufgenommen. Aus Sicht des FGK ist eine Gleichbehandlung aller Wärmepumpensysteme auch in Zukunft von entscheidender Bedeutung. „Mit über 250.000 verkauften Einheiten im Jahr 2024 ist dieser Bereich sowohl wirtschaftlich als auch ökologisch relevant, insbesondere für die Wärmewende“, so Lucas M. van Stephoudt. „Damit Deutschland hinsichtlich der Klimaziele, der Resilienz gegenüber steigenden sommerlichen Temperaturen und für das klimafreundliche Heizen im Winter weiter auf Kurs bleibt, dürfen keine Chancen ungenutzt bleiben.“
Chance für Bestandsgebäude
Ein großer Vorteil der Technik ist ihre vergleichsweise einfache Nachrüstung. Gerade in älteren Gebäuden ohne Fußbodenheizung kann eine Luft-Luft-Wärmepumpe eine kostengünstige Alternative oder Ergänzung zum bestehenden Heizsystem sein. Dann versorgt eine Außeneinheit ein oder mehrere Innengeräte, die die warme oder kühle Luft in die Räume abgeben.
Ergänzung statt alleinige Lösung
Trotz ihrer Vorteile eignet sich die Luft-Luft-Wärmepumpe nicht in jedem Gebäude als alleinige Heizung. Da die Wärme über Luft verteilt wird, kann die gleichmäßige Temperierung in großen oder stark unterteilten Häusern schwieriger sein. Häufig wird sie deshalb als Ergänzung zu bestehenden Heizsystemen genutzt, etwa zur Unterstützung einer Gas- oder Ölheizung oder in Kombination mit Photovoltaik.
Fest steht: Wenn Klimageräte auch im Winter zum Heizen genutzt werden, können sie fossile Energieträger ersetzen und Energie sparen. Damit wird aus der klassischen Klimaanlage ein vielseitiges System – und aus einer vermeintlichen Sommerlösung ein Baustein für klimafreundliches Heizen.

















