Bundesregierung reagiert auf Iran-Krieg mit Entlastungspaket bei Energiepreisen

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23.04.2026 Hauptartikel
Gijs de Koning Gijs de Koning E-mail Hoofdredacteur
Bundesregierung reagiert auf Iran-Krieg mit Entlastungspaket bei Energiepreisen

Die Bundesregierung hat in Reaktion auf die infolge des Kriegs mit Iran gestiegenen Energiepreise mehrere Maßnahmen auf den Weg gebracht, um Haushalte und Unternehmen zu entlasten. Dabei geht es um bereits beschlossene Schritte zur Senkung von Gas- und Stromkosten. Nach Angaben der Bundesregierung sollen Verbraucherinnen und Verbraucher sowie Unternehmen 2026 insgesamt um rund 10 Milliarden Euro pro Jahr entlastet werden.

Die Bundesregierung verweist auf Maßnahmen, die bereits seit Jahresbeginn bei Strom und Gas greifen. So ist die Gasspeicherumlage seit dem 1. Januar 2026 abgeschafft. Laut Bundesregierung werden Gaskundinnen und -kunden dadurch im Jahr 2026 um mehr als 3 Milliarden Euro entlastet. Private Haushalte und andere kleinere Abnehmer profitieren demnach mit rund 1 Milliarde Euro, während auf Großkunden etwa 2 Milliarden Euro entfallen. Die Bundesregierung argumentiert zudem, dass niedrigere Gaspreise auch den Strommarkt entlasten können, weil Gaskraftwerke häufig preisbildend sind.

Bundeszuschuss soll Netzentgelte beim Strom dämpfen

Auch bei den Stromkosten setzt Berlin auf Entlastung. Die vier deutschen Übertragungsnetzbetreiber erhalten 2026 einen Bundeszuschuss von 6,5 Milliarden Euro aus dem Klima- und Transformationsfonds, um die Netzentgelte zu dämpfen. Dadurch sollen die Stromkosten für private Haushalte und Unternehmen sinken. Für einen Haushalt mit einem Jahresverbrauch von 3.500 Kilowattstunden beziffert die Bundesregierung die rechnerische Entlastung allein aus den niedrigeren Netzentgelten auf etwa 100 Euro pro Jahr. Zusammen mit dem Wegfall der Gasspeicherumlage könnten private Haushalte im Schnitt bis zu 160 Euro jährlich sparen.

Industriestrompreis und niedrigere Stromsteuer für Unternehmen

Hinzu kommt eine dauerhafte Senkung der Stromsteuer auf den EU-Mindeststeuersatz für rund 600.000 produzierende Unternehmen sowie für die Land- und Forstwirtschaft. Für die Jahre 2026 bis 2028 will die Bundesregierung außerdem einen Industriestrompreis einführen. Nach Angaben der Bundesregierung soll dieses Instrument vor allem energieintensive Unternehmen stützen; die Europäische Kommission hat dafür am 16. April 2026 grünes Licht gegeben.

Bundesregierung warnt vor strukturellen Folgen der Krise

Der wirtschaftliche Hintergrund der Maßnahmen ist ernst. In ihrer Frühjahrsprojektion 2026 verweist die Bundesregierung auf den Konflikt im Nahen Osten und die faktische Sperrung der Straße von Hormus, die weltweit zu Engpässen und steigenden Preisen für Energie und andere Rohstoffe geführt hätten. Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche sagte, dass die höheren Preise insbesondere Unternehmen und private Haushalte in Deutschland träfen. Zugleich betonte sie, dass die beschlossenen Maßnahmen zwar kurzfristig entlasteten, die strukturellen Ursachen der deutschen Wachstumsschwäche aber nicht lösten.

Taskforce soll weitere Preisentwicklungen beobachten

Bereits Anfang März hatte die Bundesregierung erklärt, dass das Bundeswirtschaftsministerium wegen der Lage im Nahen Osten eine Taskforce Energiepreise eingerichtet habe, um die Märkte zu beobachten und auf mögliche weitere Verwerfungen reagieren zu können. Bundeskanzler Friedrich Merz sagte zudem nach Beginn der Waffenruhe, zwar seien Öl- und Gaspreise zwischenzeitlich gesunken, bei dauerhaft angespannten Märkten prüfe die Bundesregierung jedoch weitere Maßnahmen für den Fall anhaltend hoher Preise.