Die Batterie im Keller wird die Energiewende nicht allein retten
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Wenn heute jemand eine Photovoltaikanlage baut, fällt fast immer ein zweites Wort: Speicher.
Der Gedanke dahinter ist einfach. Strom vom Dach wird nicht sofort verbraucht, sondern erst einmal in einer Batterie im Keller zwischengespeichert. Abends, wenn die Sonne längst untergegangen ist, wird er wieder entnommen. Für viele Eigenheimbesitzer fühlt sich das nach einem kleinen Stück Unabhängigkeit an. Das eigene Haus wird zum Mini-Kraftwerk. Strom produzieren, speichern, später selbst nutzen. Ein schönes Bild der Energiewende.
Doch je länger man sich mit dem Thema beschäftigt, desto klarer wird: Die Batterie im Keller ist nur ein Teil der Lösung.
Die Energiewende braucht Speicher. Viele Speicher. Und natürlich ist es sinnvoll, wenn ein Eigenheimbesitzer beim Bau einer Photovoltaikanlage auch über einen Stromspeicher nachdenkt. Am besten so dimensioniert, dass er nicht nur den Eigenverbrauch erhöht, sondern auch etwas Flexibilität ins System bringt.
Mit dynamischen Stromtarifen und seit kurzem auch dynamischen Netzentgelten entstehen genau dafür neue Anreize. Strom dann nutzen, wenn er reichlich vorhanden und günstig ist. Nicht dann, wenn er knapp ist.
Das ist grundsätzlich eine gute Entwicklung. Denn sie verändert das Bewusstsein. Strom wird nicht mehr nur verbraucht – man beginnt zu verstehen, wann er entsteht.
Trotzdem lohnt sich ein genauer Blick auf die Wirtschaftlichkeit.
Große Stromspeicher im Eigenheim klingen zunächst verlockend. Mehr Kapazität bedeutet schließlich mehr Unabhängigkeit. Doch in der Praxis zeigt sich oft ein anderes Bild: Der Speicher ist noch immer einer der teuersten Teile einer Photovoltaikanlage. Wird er zu groß dimensioniert, sinkt schnell die Wirtschaftlichkeit.
Deshalb gilt eine einfache Regel: Die Größe eines Speichers sollte immer individuell geplant werden. Wer häufig Stromausfälle befürchtet, oder sich bewusst eine gewisse Absicherung wünscht, wird anders planen als jemand, der ausschließlich auf Wirtschaftlichkeit achtet.
Speicher im Privathaushalt können durchaus einen Beitrag zur Stabilisierung des Energiesystems leisten. Besonders dann, wenn sie intelligent gesteuert werden. Mit Wetterprognosen, Netzsignalen oder dynamischen Strompreisen.
Dann laden sie nicht sofort mit den ersten Sonnenstrahlen.
Sie warten.
Zum Beispiel bis zur Mittagszeit, wenn besonders viel Solarstrom im Netz vorhanden ist.
Doch viele bestehende Systeme funktionieren heute noch anders. Die Sonne geht auf, der Speicher beginnt sofort zu laden – und ist oft schon am späten Vormittag voll. Genau zu dem Zeitpunkt also, an dem Photovoltaikanlagen im ganzen Land ihre maximale Leistung erreichen.
Der Überschuss landet dann fast komplett im öffentlichen Netz. Und genau an dieser Stelle zeigt sich ein häufig übersehener Punkt der Energiewende: Private Heimspeicher allein können diese Aufgabe nicht lösen.
Dafür braucht es große Speicher. Sehr große Speicher. Stromspeicher im Megawattmaßstab, verteilt über das ganze Land. Sie können die großen Mengen Solar- und Windstrom aufnehmen, die in Spitzenzeiten entstehen.
Hier wird in den kommenden Jahren noch viel investiert werden müssen.
Denn eines sollte klar sein: Die Energiewende kann nicht ausschließlich auf den Schultern von Eigenheimbesitzern ausgetragen werden, die ihre Keller mit Batterien füllen und versuchen, netzdienlich zu arbeiten.
Sie braucht ein Zusammenspiel aus vielen Ebenen.
Photovoltaik auf den Dächern. Speicher in den Häusern. Und große Batteriespeicher im Netz.
Ich beschäftige mich seit vielen Jahren mit den Themen Photovoltaik, Wärmepumpe und Energiewende und teile meine Erfahrungen als Energie-Experte und Content Creator regelmäßig auf YouTube und in sozialen Medien. Auf meinen Kanälen „Sonne Frei Haus“ zeige ich, wie Photovoltaik, Wärmepumpen und Energiespeicher im Alltag funktionieren – und welchen Beitrag private Haushalte zur Energiewende leisten können. Eines wird dabei immer deutlicher: Die Energiewende entsteht nicht nur auf Dächern.Sie entsteht auch in Kellern, in Umspannwerken – und in großen Speichern, die wir heute erst anfangen zu bauen.
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Instagram: Nils Finkenberger

















