Dreh- und nachführbare Solarmodule: Chancen und Situation auf dem deutschen Markt

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25.11.2025 Hauptartikel
Sebastian Wittag Sebastian Wittag Journalist
Dreh- und nachführbare Solarmodule: Chancen und Situation auf dem deutschen Markt

Dreh- und nachführbare Solarmodule gewinnen im deutschen Photovoltaikmarkt an Relevanz, weil sie Anlagen effizienter machen und dadurch sowohl für Freiflächenprojekte als auch für gewerbliche Eigenverbrauchsanlagen wirtschaftlich attraktiv werden. Die Technologie richtet Solarmodule automatisch nach dem Sonnenverlauf aus und steigert damit den Energieertrag deutlich.

Marktvolumen und Entwicklung in Deutschland

Der deutsche Markt für Solartracker befand sich lange im Schatten klassischer Dach-PV, wächst aber seit einigen Jahren spürbar. Für 2024 wird allein der deutschsprachige Markt auf rund 0,7 Milliarden US-Dollar geschätzt. Bis Anfang der 2030er-Jahre könnten hierzulande im Segment der zweiachsigen Systeme Marktvolumina von mehr als 2,5 Milliarden US-Dollar erreicht werden. Europaweit zählt Deutschland damit zu den interessantesten Wachstumsmärkten: hohe Ausbauziele, wachsende Freiflächen-PV und zunehmender Eigenverbrauch steigern das Interesse an flexiblen Anlagenkonzepten.

Zentrale Anbieter aus Deutschland

Mehrere deutsche Unternehmen gehören zu den prägenden Akteuren im Bereich nachgeführter Systeme: 

  • Die IDEEMATEC GmbH zählt zu den größten Tracker-Herstellern Europas und hat weltweit bereits über 5,5 Gigawatt an Trackern ausgeliefert.
  • Die DEGER Energie GmbH ist ein weiterer führender Anbieter und mit ihrer lichtsensorbasierten Steuerungstechnologie international etabliert.
  • Ebenfalls aktiv ist SunOyster Systems, ein Spezialist für zweiachsige, hochpräzise nachgeführte Module, die insbesondere für Gewerbe- und Industrieanwendungen ausgelegt sind.

Damit verfügt Deutschland über eine eigenständige, exportstarke Tracker-Industrie, die technologisch mit internationalen Herstellern mithalten kann.

Ertragsvorteile: Wie viel mehr Energie liefern Tracker?

Der technische Vorteil nachgeführter Solaranlagen ist erheblich. Einachsige Tracker erzielen in Mitteleuropa typischerweise 15 bis 25 Prozent mehr Energie pro Jahr als fest installierte Süd-Anlagen, insbesondere durch höhere Erträge am Morgen und am späten Nachmittag. Zweiachsige Systeme können je nach Standort und Konfiguration bis zu 30 Prozent, teils sogar 35 Prozent Mehrertrag erzielen, da sie die Sonne über den gesamten Tages- und Jahresverlauf exakt verfolgen.

Diese Mehrproduktion wirkt sich unmittelbar auf die Wirtschaftlichkeit aus: Jede zusätzliche Kilowattstunde erhöht den Eigenverbrauchsanteil und reduziert damit Energiekosten – ein entscheidender Faktor für Gewerbe und Industrie.

Bedeutung für den deutschen PV-Ausbau

Mit dem geplanten massiven Ausbau der Freiflächen-PV, der zunehmenden Bedeutung von Agri-PV und steigenden Anforderungen an die Systemintegration bieten Solartracker einen wichtigen Beitrag zur Flächeneffizienz und Netzverträglichkeit. Sie erzeugen Strom gleichmäßiger über den Tag verteilt und können so Lastspitzen entschärfen.

Gleichzeitig bleibt die Wirtschaftlichkeit projektspezifisch: Tracker lohnen sich vor allem dort, wo Fläche verfügbar ist, ein hoher Eigenverbrauch besteht oder höhere Investitionskosten durch deutlich bessere Erträge kompensiert werden können.

Drehbare Solarmodule sind kein Randphänomen mehr, sondern ein aufstrebendes Segment im deutschen Solarmarkt. Die Kombination aus messbaren Ertragsvorteilen, wachsendem Marktvolumen und starken deutschen Herstellern deutet darauf hin, dass Tracker in den kommenden Jahren eine deutlich größere Rolle spielen werden, insbesondere in der gewerblichen und großflächigen Photovoltaik.