Großbritannien will Zahl der Wohnhäuser mit Solaranlagen bis 2030 verdreifachen

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23.02.2026 Aus der Redaktion
Evelien Schreurs
Großbritannien will Zahl der Wohnhäuser mit Solaranlagen bis 2030 verdreifachen

Mit direkten „Cash“-Zuschüssen und Krediten will das Vereinigte Königreich Millionen von Haushalten dazu bewegen, Solaranlagen, Wärmepumpen und Heimspeicher anzuschaffen. Mit dem Warm Homes Plan sollen die Energiepreise für Verbraucher gesenkt und langfristig stabilisiert werden. Pro Kopf verfügt das Vereinigte Königreich bereits über eine hohe Speicherkapazität, gleichzeitig befinden sich jedoch vergleichsweise wenige Solaranlagen auf den Dächern.

„Das Vereinigte Königreich hat eine der höchsten Stromrechnungen Europas – bedingt durch Netzausbauten, staatliche Abgaben und den Einfluss von Großhandelspreisen, die stark vom Gaspreis bestimmt werden“, schreibt die BBC.

„Gleichzeitig gilt der bestehende Wohnungsbestand im Vereinigten Königreich häufig als einer der energieineffizientesten in Europa. Laut Untersuchungen des University College London lebt ein Drittel der britischen Haushalte in ‚schlecht isolierten Wohnungen‘ und kann sich energetische Verbesserungen nicht leisten“, erläutert Carbon Brief.

Um hier gegenzusteuern, führt das Vereinigte Königreich den Warm Homes Plan ein: ein umfassendes Maßnahmenpaket zur Förderung nachhaltiger Technologien und zur Gebäudedämmung. Dafür wurde bis 2030 ein historisch hohes Budget von insgesamt 15 Milliarden Pfund (umgerechnet rund 17,3 Milliarden Euro) bereitgestellt.

Wie steht das Vereinigte Königreich derzeit da?

Das Daten-Dashboard von DNE Research zeigt den aktuellen Stand des Vereinigten Königreichs bei Photovoltaik und Energiespeicherung. Die PV-Leistung pro Kopf liegt 2025 bei 282 Wattpeak. Das ist im europäischen Vergleich niedrig: Die Niederlande führen mit 1.643 Wattpeak pro Kopf. Nur die Slowakei (236 Wattpeak), die Ukraine (229 Wattpeak) und Finnland (274 Wattpeak) schneiden schlechter ab als das Vereinigte Königreich.

Mit einer Speicherkapazität von 23.800 Megawattstunden im Jahr 2025 gehört das Vereinigte Königreich hingegen zu den größten Märkten Europas. Damit liegt es knapp hinter Deutschland (23.867 Megawattstunden) und vor Italien (18.867 Megawattstunden). Die Niederlande verfügen über eine Gesamtspeicherkapazität von 2.900 Megawattstunden.

Die britische Speicherkapazität wächst zudem sehr schnell. Im Jahr 2025 wurden im Vereinigten Königreich 13 Gigawattstunden Batteriespeicherkapazität installiert. 2024 waren es noch 5 Gigawattstunden, 2023 lediglich 4 Gigawattstunden.

Auch pro Kopf liegt das Vereinigte Königreich weiterhin vorn: Mit einer Batteriespeicherkapazität von 341,46 Kilowattstunden pro Einwohner im Jahr 2025 ist es europäischer Spitzenreiter. Irland (323,35 Kilowattstunden), Italien (320,04 Kilowattstunden) und Österreich (307,31 Kilowattstunden) folgen mit geringem Abstand. Die Niederlande erreichen 160,65 Kilowattstunden pro Kopf.

Warm Homes Plan

„Die Bezahlbarkeitskrise ist das größte Problem, mit dem Großbritannien konfrontiert ist. Deshalb ergreift diese Regierung Maßnahmen, um die Energiekosten dauerhaft zu senken“, erklärt die britische Regierung. Über den Warm Homes Plan soll es für Haushalte erschwinglich werden, Solaranlagen, Heimspeicher oder Wärmepumpen anzuschaffen oder ihre Wohnungen besser zu isolieren. Diese Maßnahmen sollen zu niedrigeren und stabileren Energiekosten führen.

Etwa die Hälfte des Budgets fließt in Unterstützungen für Haushalte mit niedrigem Einkommen sowie in Kredite, mit denen Verbraucher energetische Maßnahmen finanzieren können. Die andere Hälfte wird für Zuschüsse zur teilweisen Finanzierung des Wechsels von Gasheizungen zu Wärmepumpen, für Wärmenetze sowie für weitere Finanzierungsinstrumente für energetische Sanierungen eingesetzt.

5 Millionen Wohnungen energetisch sanieren

Mit dem Förderpaket sollen bis 2030 fünf Millionen Wohnungen energetisch saniert und eine Million Menschen aus der Energiearmut befreit werden. Durch die Maßnahmen des Warm Homes Plan könnten Haushalte mehrere hundert Pfund pro Jahr einsparen. Zudem handelt es sich um einen wichtigen Schritt in Richtung Nachhaltigkeit und bietet den Haushalten mehr Planungssicherheit durch stabilere Energiepreise.

Die Regierung möchte, dass alle Haushalte diese Maßnahmen ergreifen können – unabhängig von Einkommen sowie davon, ob sie Eigentümer oder Mieter sind. Menschen mit niedrigem Einkommen, die von Energiearmut betroffen sind, können die vollständigen Kosten für Solaranlagen und Heimspeicher erstattet bekommen. Das ist insbesondere für den sozialen Wohnungsbau von Bedeutung. Andere Haushalte können unabhängig von ihrem Einkommen zinsfreie oder zinsgünstige Kredite für energetische Maßnahmen erhalten, was vor allem von Hauseigentümern genutzt werden dürfte.

Diese Finanzierungen stehen privaten Mietern zwar nicht direkt zur Verfügung, sie sollen jedoch indirekt vom Warm Homes Plan profitieren. Vermieter werden verpflichtet, sicherzustellen, dass vermietete Wohnungen ab 2030 mindestens die Energieeffizienzklasse C erreichen. Zudem wird ein Future Homes Standard eingeführt, der Nachhaltigkeitsanforderungen für Neubauten festlegt. Die genauen Vorgaben sind noch nicht bekannt, sollen jedoch sicherstellen, dass neue Wohngebäude standardmäßig mit sauberen Heiztechnologien und Solaranlagen ausgestattet werden.

Nach Angaben der britischen Regierung könnte diese Unterstützung zu einer Verdreifachung der Zahl der Haushalte mit Solaranlagen und Heimspeichern führen. „Laut Regierung könnten die Zuschüsse und Kredite im Rahmen des ‚Warm Homes Plan‘ die Zahl der Häuser mit Solaranlagen von 1,6 Millionen auf 4,6 Millionen im Jahr 2030 verdreifachen – zusätzlich zu den Haushalten, die sich unabhängig für Solaranlagen entscheiden“, so Carbon Brief.

Solarbranche steht bereit

Der britische Energiesektor begrüßt den Warm Homes Plan. Er wird als langfristige staatliche Investition in grüne Technologien gesehen und soll rund 180.000 (neue) Arbeitsplätze im Bereich sauberer Wärmetechnologien schaffen.

Der Branchenverband Solar Energy UK erklärt, dass die Branche bereit ist, die erwarteten Millionen von Installationen bis 2030 umzusetzen. Die Ziele des Warm Homes Plan stimmen zudem mit der im vergangenen Sommer veröffentlichten Solar Roadmap überein. Demnach sollen bis 2030 Solaranlagen mit einer Gesamtleistung von 60 Gigawatt installiert sein – derzeit sind es noch 24 Gigawatt.

„In Kombination mit dem Future Homes Standard und dem Future Buildings Standard, die Solaranlagen auf Dächern zum Standard im Neubau machen, wird der Warm Homes Plan das Wachstum der Solar- und Batteriespeicherbranche weiter beschleunigen.“

Dieser Artikel ist eine Übersetzung eines Beitrags, der zuvor auf Solar365 erschienen ist.