PV-Strom direkt für Wärme nutzen: Interview mit Markus Gundendorfer von my-PV

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08.07.2026 Hauptartikel
Sebastian Wittag Sebastian Wittag Journalist
PV-Strom direkt für Wärme nutzen: Interview mit Markus Gundendorfer von my-PV

Während die politische Debatte in Deutschland von Wärmepumpen, Fernwärmeausbau und Gebäudeenergiegesetz geprägt wird, rückt eine andere Technologie zunehmend in den Fokus: die Nutzung von Photovoltaik-Strom für die direkte Wärmebereitstellung. Vor allem im Sommerhalbjahr sehen viele Experten darin eine Möglichkeit, Wärmepumpen zu entlasten, Eigenverbrauchsquoten zu erhöhen und Solarstrom dort einzusetzen, wo ein Großteil des Energiebedarfs privater Haushalte entsteht – bei Warmwasser und Raumwärme.

Die Bedeutung des Wärmesektors wird häufig unterschätzt. Nach Angaben des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie entfallen rund 50 Prozent des gesamten Endenergieverbrauchs in Deutschland auf die Bereitstellung von Wärme. In privaten Haushalten macht Raumwärme gemeinsam mit Warmwasser sogar rund 80 bis 85 Prozent des Energieverbrauchs aus. Gleichzeitig wächst die installierte Photovoltaik-Leistung kontinuierlich. Ende 2025 waren in Deutschland bereits mehr als 4,8 Millionen Photovoltaikanlagen mit einer Gesamtleistung von über 100 Gigawatt installiert.

Vor diesem Hintergrund gewinnt die Frage an Bedeutung, wie überschüssiger Solarstrom möglichst effizient vor Ort genutzt werden kann. Eine Lösung bietet die solarelektrische Direktwärme, bei der Photovoltaikstrom unmittelbar für die Warmwasserbereitung oder Heizungsunterstützung eingesetzt wird.

Ein Anbieter in diesem Segment ist das österreichische Unternehmen my-PV. Mit dem System SOL•THOR verfolgt das Unternehmen einen besonderen Ansatz: Die Lösung arbeitet ohne Wechselrichter und ohne Netzanschluss. Der von den PV-Modulen erzeugte Gleichstrom wird direkt zur Erwärmung von Wasser genutzt. Dadurch entfallen Netzanmeldung, Einspeisung und viele regulatorische Anforderungen.

Welche Rolle solche Systeme künftig im deutschen Markt spielen könnten und warum immer mehr Wärmepumpen-Besitzer nach Alternativen für die Sommermonate suchen, erläutert Markus Gundendorfer, Head of Sales DACH bei my-PV, im Gespräch mit Sustainable Media 365.

Herr Gundendorfer, ein großer Teil des Energiebedarfs in Haushalten entfällt auf Wärme. Warum sollte PV-Strom nicht nur ins Hausnetz fließen, sondern direkt für Warmwasser oder Heizung genutzt werden?

Wenn man sich anschaut, wie sich der Energieverbrauch eines durchschnittlichen Haushalts zusammensetzt, dann macht der klassische Haushaltsstrom – also Licht, Geräte, Unterhaltungselektronik – nur einen kleinen Teil aus. Der mit Abstand größte Anteil entfällt auf Wärme: auf Heizung und Warmwasser. Wer also seine Photovoltaikanlage primär nutzt, um den Kühlschrank und den Fernseher zu versorgen, lässt das eigentliche Potenzial liegen. Genau hier setzen wir an: Wir bringen den selbst erzeugten Solarstrom dorthin, wo er den größten Hebel hat – in den Warmwasserspeicher und in die Heizung. Das ist der direkteste und wirtschaftlich oft sinnvollste Weg, den überschüssigen Solarstrom effizient zu nutzen und so den Eigenverbrauch zu erhöhen.

Elektrische Direktwärme gilt vielen als weniger effizient als die Wärmepumpe. Unter welchen Bedingungen ist PV-Direktwärme dennoch sinnvoll – und wo nicht?

Die Diskussion wird leider oft sehr verkürzt geführt. Natürlich hat eine Wärmepumpe übers Jahr gesehen eine bessere Arbeitszahl als ein Heizstab. Aber sobald der Kunde eine PV-Anlage auf dem Dach hat, ändert sich die Rechnung grundlegend. Unsere klare Empfehlung lautet: Wer eine PV hat, sollte zusätzlich einen Heizstab integrieren. Denn dann lässt sich die Wärmepumpe ab dem Frühjahr schlicht abschalten, und die Wärmeerzeugung übernimmt der Überschussstrom vom Dach.

Das hat zwei Effekte: Erstens nutzen Sie Solarstrom, der sonst zu sehr niedrigen Vergütungen eingespeist würde, selbst. Und zweitens – und das wird häufig übersehen – verlängert sich die Lebensdauer der Wärmepumpe spürbar. Nach unseren Erfahrungswerten und Analysen sprechen wir hier von rund einem Drittel zusätzlicher Lebensdauer, weil die Anlage über die warme Jahreszeit schlicht nicht läuft. Weniger Betriebsstunden bedeuten weniger Verschleiß, weniger Taktungen etc.

Viele Bestandsgebäude haben bereits Warmwasserspeicher oder Heizstäbe. Welche Rolle kann der SOL•THOR dort spielen – Übergangslösung, Ergänzung oder dauerhafter Baustein?

Der SOL•THOR ist für uns vor allem die Antwort auf eine Frage, die uns aus dem Markt immer öfter erreicht: „Ich möchte mein Warmwasser solarelektrisch erzeugen, aber ohne Netzbetreiber, ohne Netzzulassung und ohne lästige Anmeldungen." Genau für diese Kundengruppe ist das System konzipiert. In einem typischen Vier-Personen-Haushalt erreichen wir damit eine solare Deckung des Warmwasserbedarfs von 60 bis 80 Prozent – und das auf dem denkbar einfachsten Weg. Kein Wechselrichter, kein Anschluss ans Hausnetz, keine bürokratischen Hürden. Damit ist der SOL•THOR weit mehr als eine Übergangslösung: Er ist ein eigenständiger, dauerhafter Baustein der Wärmeversorgung, der sich nahtlos in bestehende Speicher integrieren lässt, sofern dort ein Heizstab vorhanden ist oder nachgerüstet werden kann.

Der SOL•THOR funktioniert ohne Wechselrichter und ohne Netzanschluss. Welche praktischen Hürden lassen sich dadurch in Deutschland vermeiden – und welche bleiben bestehen?

Der entscheidende Punkt ist: Wir reden hier über eine Inselanlage. Das heißt, das Thema solare Dichte und Netzbelastung – also die Frage, wie viel PV-Leistung an einem Netzstrang noch zulässig ist – spielt schlicht keine Rolle. Es gibt keine Einspeisung, keine Rückwirkung auf das öffentliche Netz, und damit auch keine Notwendigkeit, sich mit dem Netzbetreiber abzustimmen. Behördenwege, Anmeldungen, Genehmigungen – all das entfällt. Der Kunde montiert die Module, schließt den SOL•THOR an den Heizstab im Speicher an und erzeugt Wärme, alles mit dem Gleichstrom aus den PV-Modulen.

Was aber bleibt, sind die ganz normalen baulichen und installationstechnischen Fragen: Wo werden die Module montiert, wie wird die Verkabelung geführt, ist der vorhandene Heizstab geeignet. Aber das sind handwerkliche Themen, keine regulatorischen.

Wärmepumpe und Fernwärme dominieren die politische Debatte. Ist PV-Direktwärme eine Nische, oder wird ihr Potenzial im deutschen Markt unterschätzt?

Ganz klar unterschätzt. Wir sehen das täglich an den Kundenanfragen. Immer mehr Wärmepumpen-Besitzer kommen aktiv auf uns zu, weil sie ihre teure Technik zumindest im Sommer entlasten wollen. Auch im Fertighausbereich beobachten wir eine bemerkenswerte Bewegung: Mehrere Hersteller stellen die Wärmepumpe als alleinige Lösung inzwischen grundsätzlich in Frage und setzen stattdessen auf Direktheizungen in Kombination mit einem Warmwasserboiler. Und bei der Fernwärme verschärft sich die Lage zusätzlich – die Kilowattstundenpreise sind für viele Haushalte schlicht zu hoch geworden. Gerade in den Randbereichen der Fernwärmenetze stellt sich zunehmend die Frage, ob ein Netzausläufer im Sommer nicht sogar komplett abgeschaltet werden könnte, wenn der Haushalt sein Warmwasser über PV-Wärme deckt. Das sind keine theoretischen Szenarien mehr, sondern Gespräche, die wir konkret führen.

Welche Kennzahlen sollten Verbraucher prüfen, um PV-Wärme seriös zu bewerten – Kosten, CO₂-Einsparung, Amortisation, Betriebssicherheit?

Ich empfehle Interessenten, sich nicht in theoretischen Berechnungen zu verlieren, sondern konkret zu schauen, was am Markt verfügbar ist. Fertige Sets gibt es heute bereits ab etwa 1.890 Euro, beispielsweise eine netzautarke 4,5-kilowattpeak-PV-Anlage inklusive SOL•THOR und Heizstab für die Trapezblech-Montage. Das ist eine Investitionsgröße, bei der sich Amortisationsrechnungen über die eingesparten Energiekosten vergleichsweise schnell und transparent darstellen lassen.

Wichtig ist auch der Blick auf den Bestand: Wenn im Speicher bereits ein Heizstab mit weniger als 3,6 Kilowattverbaut ist, lässt sich dieser direkt mit dem SOL•THOR erweitern – das hält die Einstiegshürde nochmals deutlich niedriger.

Bei den Kennzahlen würde ich neben der reinen Amortisation vor allem auf zwei Dinge achten: die solare Deckung des Warmwasserbedarfs als realistischen Erwartungswert und die Betriebssicherheit. Ein System ohne Wechselrichter, ohne Leistungselektronik im engeren Sinne, ist konstruktiv robust und wartungsarm. Das ist ein Wert, der sich erst über die Jahre voll auszahlt – aber er sollte von Anfang an in der Bewertung mitgedacht werden.

Markus Gundendorfer, Vertriebsleiter und Gesellschafter bei my-PV © my-PV