Wertschöpfung zurückholen: Wie Europa die Produktion von Wärmepumpenkomponenten stärken kann
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Die Wärmepumpe ist ein zentrales Element der Wärmewende. Doch während sie hierzulande politisch gesetzt ist, zeigt sich in der Industrie ein gemischtes Bild: Europa ist bei der Endmontage stark, bei Schlüsselkomponenten jedoch teils abhängig von Importen. Die Frage lautet daher: Wie gelingt es, mehr Wertschöpfung nach Deutschland und Europa zu holen?
In Deutschland ist die Wärmepumpe inzwischen die meistverkaufte Heiztechnik. Der Bundesverband Wärmepumpe spricht von 299.000 verkauften Wärmepumpen im Jahr 2025, das sind 55 Prozent mehr als 2024. Laut aktuellem EHPA Market Report 2025 wurden 2024 in 19 europäischen Ländern 2,31 Millionen Wärmepumpen verkauft. Bis zu 73 Prozent der Geräte stammten dabei aus europäischer Produktion, wurden also hier montiert. Über 300 Standorte und rund 433.000 Arbeitsplätze sind diesem Sektor zuzurechnen.
Die meisten Kompressoren stammen aus China
Bei Kernkomponenten der Anlagen zeigt sich jedoch ein anderes Bild. Hier gibt es teils gravierende Importabhängigkeiten. Besonders Kompressoren, und damit das „Herzstück“ jeder Wärmepumpe, kommen zumeist aus China. Die Internationale Energieagentur (IEA) bezifferte 2023 Chinas Anteil an der weltweiten Kompressorproduktion auf rund 95 Prozent.
Auch EU-Analysen, etwa aus dem Umfeld des Rates und des Joint Research Centre, verweisen explizit auf Importabhängigkeiten bei strategischen Wärmepumpenkomponenten. Europa ist damit montage- und systemstark, aber nicht vollständig souverän in der Tiefe der Wertschöpfung.
Investitionen brauchen langfristige Perspektiven
Dabei ist die Kompetenz hierzulande vorhanden. Deutschland verfügt über namhafte Wärmepumpenhersteller sowie spezialisierte Zulieferer. Bleibt die Herausforderung der starken Marktschwankung. Laut EHPA wurde 2024 europaweit ein Minus von 22 Prozent bei den verkauften Geräten verzeichnet, in Deutschland war es sogar ein Minus von 48 Prozent. Hier zeigt sich das Kernproblem: Industrieinvestitionen benötigen eine verlässliche Nachfrage. Und für kapitalintensive Komponentenfertigung, etwa bei Verdichtern oder Leistungselektronik, braucht es langfristige Perspektiven. Dem gegenüber stehen wechselnde Förderbedingungen, hohe Energiepreise, eine lange Genehmigungsdauer und der Fachkräftemangel.
Hier können politische Instrumente helfen. Mit dem Net-Zero Industry Act (NZIA) verfolgt die EU das Ziel, bis 2030 rund 40 Prozent des jährlichen Bedarfs an strategischen Netto-Null-Technologien in Europa zu produzieren – Wärmepumpen eingeschlossen. Hintergrund sind die Steigerung von Wettbewerbsfähigkeit und Resilienz sowie die Schwächung von geopolitische Abhängigkeiten. Seit Januar 2025 unterstützt zudem eine „Heat Pump Accelerator Platform“ den Markthochlauf. In diesem Jahr neu ist der 86,7 Milliarden Euro schwere Social Climate Fund. Dieser EU-Fonds ermöglicht es den EU-Ländern, Energieeffizienzmaßnahmen und die Dekarbonisierung der Heizung und Kühlung in Gebäuden, einschließlich der Installation von Wärmepumpen, für einkommensschwache Haushalte und Kleinstunternehmen zu fördern.

















