Wir haben die Energiewende gebaut – aber vergessen, sie nutzbar zu machen

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24.02.2026 Kolumne
Martin Beyer Leiter Geschäftsentwicklung und Partnerschaften OLI Systems GmbH
Wir haben die Energiewende gebaut – aber vergessen, sie nutzbar zu machen

Ich fahre seit 2015 elektrisch. Damals war Elektromobilität für viele noch ein Experiment. Heute ist sie Alltag. Die Fahrzeuge sind leistungsfähiger geworden, die Reichweiten größer, und die Ladeinfrastruktur ist in einem Umfang gewachsen, den sich vor zehn Jahren nur wenige vorstellen konnten.

Und trotzdem gibt es diesen einen Moment, der sinnbildlich für unsere heutige Realität steht: der Griff ins Portemonnaie, um die „richtige“ Ladekarte oder die passende App auf dem Handy zu finden.

Was wie eine Randnotiz wirkt, ist in Wahrheit ein strukturelles Problem. Denn obwohl wir Energie heute nahezu überall erzeugen können, ist ihr Zugang kompliziert geblieben. Zu viele Tarife. Zu viele Systeme. Zu wenig Einfachheit. Und vor allem: Preise, die sich zunehmend von den eigentlichen Erzeugungskosten entkoppeln.

Das verändert den Blick auf Energie. Nicht technologisch. Sondern wirtschaftlich.

Ich bin überzeugt: Energie ist längst mehr als eine Kilowattstunde auf einer Abrechnung. Sie ist die moderne Währung für Freiheit. Und wie jede Währung muss sie mobil, zugänglich und nutzbar sein.

  • Was wäre also, wenn wir Energie tatsächlich wie eine Währung behandeln würden?
  • Was wäre, wenn wir Strom so selbstverständlich mit unserem Nachbarn tauschen könnten wie heute Informationen?
  • Was wäre, wenn wir auf dem Weg in den Urlaub unser Elektroauto einfach mit unserem eigenen Stromtarif laden – unabhängig davon, wo wir gerade sind?
  • Oder wenn ein Mitarbeiter seinen Firmenwagen zuhause lädt, und die Abrechnung automatisch, transparent und finanzamtskonform erfolgt – ohne Belege, ohne Excel, ohne Diskussionen?
  • Und was wäre, wenn derselbe Firmenwagen über eine bidirektionale Wallbox am Wochenende zum Teil des häuslichen Energiesystems wird – und Unternehmen, Mitarbeiter und Energiesystem gleichermaßen davon profitieren?

Für viele klingt das noch wie Zukunftsmusik.

Doch in Wahrheit geht es nicht um Zukunft. Es geht um ein neues Verständnis und diese Lösungen jetzt verfügbar zu machen.

Denn plötzlich entstehen neue Mehrwerte für alle Beteiligten.

  • Für den Mitarbeiter, der Energie zu fairen Konditionen nutzen kann.
  • Für das Unternehmen, das Energie vom Kostenfaktor zum strategischen Asset entwickelt.
  • Für den CFO, der vom Belegchaos zur sicheren, automatisierten Abrechnung gelangt.
  • Und für ein Energiesystem, das erneuerbare Energie dort nutzbar macht, wo sie tatsächlich gebraucht wird.

In meiner Rolle als Head of Business & Partnerships Growth beschäftigt mich genau diese Perspektive. Ich arbeite mit Partnern, die begonnen haben, ihre eigene Energie zu erzeugen – auf den Dächern ihrer Logistikzentren, ihrer Produktionsstätten oder ihrer Parkhäuser.

Was oft noch fehlt, ist nicht die Infrastruktur, sondern ein Geschäftsmodell, das diese Energie wirtschaftlich nutzbar macht.

Denn die eigentliche Energiewende entscheidet sich nicht allein an der Frage, wie wir Energie erzeugen. Sondern wie wir sie nutzen.

„Everyone needs energy everywhere, every day.“

Dieser Satz beschreibt keine Vision. Er beschreibt eine Realität, deren Konsequenzen wir gerade erst beginnen zu verstehen.

Die Technologie ist da.

Was jetzt folgt, ist der nächste Schritt:

Energie nicht nur zu erzeugen.
Sondern sie nutzbar zu machen.

Und genau das bedeutet für mich: Energie neu zu denken.