Bidirektionales Laden ab 2027: Welche Anforderungen Wallboxen wirklich erfüllen müssen
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Ob private Ladepunkte ab 2027 wirklich bidirektional laden können müssen, ist derzeit unklar. Die EU-Regelungen sind falsch übersetzt, Normen sind bisher nicht fertig. Der Bundesverband Neue Mobilität (BNM) fordert deshalb schnelle Klarheit von der EU.
Derzeit herrscht Verunsicherung bei Anbietern von privaten Ladesystemen für E-Autos und bei deren Kunden, welche Regelungen für das bidirektionale Laden ab dem 1. Januar 2027 gelten. Denn die deutsche Fassung der ergänzenden Delegierten Verordnung (EU) 2025/656 zur europäischen AFIR-Verordnung suggeriert, dass die dort festgelegten Vorgaben für das bidirektionale Laden nur für leichte und schwere Nutzfahrzeuge gelten, wie der Bundesverband Neue Mobilität (BNM) mitteilt.
Konkret geht es darum, ob private Ladestationen der technischen Norm EN ISO 15118-20:2022 entsprechen müssen. Diese Norm regelt den Kommunikationsstandard zwischen Fahrzeug und Ladesystem beim bidirektionalen Laden. Der Irrtum, dass die Regelung nur für Nutzfahrzeuge gelten würde, beruhe auf einem Übersetzungsfehler, und die Regelungen seien breiter angelegt, gelten also auch für PKW, wie der BNM auf Nachfrage in Brüssel erfahren hat. „Genau deshalb ist es wichtig, die tatsächlichen regulatorischen und technischen Zusammenhänge sauber voneinander zu trennen“, erklärt Andreas Varesi vom BNM und Leiter der eMobile Academy.
Weitere Regeln einhalten
Doch auch wenn die Einhaltung der Kommunikationsnorm ebenfalls für andere Ladestationen gilt, bedeutet dies noch längst nicht, dass alle Wallboxen und Ladesäulen automatisch tatsächlich bidirektionales Laden unterstützen müssen. Einerseits enthalte die EN ISO 15118-20:2022 selbst aktuell noch Fehler und müsse voraussichtlich durch ein Amendment überarbeitet werden, prognostizieren die Experten von BNM. Andererseits sind neben dieser Kommunikationsnorm noch andere technische Vorgaben für das bidirektionale Laden notwendig, die gerade erarbeitet werden.
Technische und netzdienliche Anforderungen noch offen
In Deutschland müssen die Ladepunkte für bidirektionales Laden unter anderem die Anforderungen der VDE-Anwendungsregel N 4105 erfüllen. Doch welche konkreten technischen und netzdienlichen Anforderungen sich wiederum daraus künftig ergeben, ist derzeit noch weitgehend offen. „Außerdem ist zu beachten, dass mehrere relevante Normen und technische Anforderungen derzeit noch gar nicht final vorliegen oder harmonisiert sind“, weiß Andreas Varesi. „Deshalb kann aktuell niemand pauschal beantworten, welche heutigen Ladepunkte die zukünftigen Anforderungen an echtes bidirektionales Laden tatsächlich erfüllen werden“, betont er.
Dazu kommt für die Umsetzung der bidirektionalen Ladefunktionen der Geräte noch eine weitere Regelung: die EN 61851-1 Edition 4. Diese regelt unter anderem elektrotechnische Anforderungen an die Ladesysteme, ist aber bisher noch nicht veröffentlicht. „Ob heutige Wallboxen und Ladesysteme die zukünftigen Anforderungen erfüllen können, müssen die jeweiligen Hersteller daher erst noch bewerten“, betonen die Experten vom BNM.
Branche braucht klare und konsistente Regeln
Der BNM sieht in diesem Wust an Unklarheiten ein grundsätzliches Problem: Politische Zielsetzungen und regulatorische Anforderungen entwickeln sich derzeit schneller als die technische Normung und praktische Umsetzbarkeit. „Damit sich die Technologie des bidirektionalen Ladens erfolgreich etablieren kann, braucht es klare, konsistente und technisch umsetzbare Vorgaben statt widersprüchlicher Interpretationen“, erklärt Anja Quast, Geschäftsführerin des BNM. „Die Branche benötigt jetzt vor allem Planungssicherheit. Hersteller, Betreiber und Verbraucher investieren bereits heute in die Ladeinfrastruktur der kommenden Jahre. Umso wichtiger ist es, regulatorische Unsicherheiten schnellstmöglich auf europäischer Ebene zu beseitigen“, fordert sie.
Der Verband spricht sich deshalb für eine schnelle europäische Klarstellung der betroffenen Regelungen aus. Außerdem sollten sich Politik, Normungsgremien, Netzbetreiber und Industrie enger miteinander abstimmen, um solche Verunsicherungen, wie sie derzeit bestehen, zu vermeiden.















