Brandschutz bei Batteriespeichern: Sicherheit beginnt vor dem Ernstfall
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Batteriespeicher mit Lithium-Ionen-Technologie gehören zum Alltag: als Heimspeicher zur Photovoltaikanlage, in Gewerbebetrieben oder als große Batteriespeicherkraftwerke. Mit ihrer Verbreitung wächst der Bedarf an klaren Brandschutzregeln. Die Vereinigung zur Förderung des Deutschen Brandschutzes (vfdb) hat dazu das Merkblatt „Erkenntnisse zu Batteriespeicheranlagen mit Lithium-Ionen-Batterien“ veröffentlicht.
Das vfdb-Merkblatts TWB 02 ordnet Risiken ein: Lithium-Ionen-Speicher sind demnach nicht per se unsicher. Im Brand- oder Havariefall können sich jedoch besondere Gefahren entwickeln. Dazu zählen giftige und brennbare Gase, elektrische Spannung, kontaminiertes Löschwasser und das sogenannte thermische Durchgehen. Dabei erhitzen sich einzelne Zellen stark, gasen aus und können weitere Zellen oder Module mitreißen. Solche Reaktionen verlaufen oft kaskadenartig, bei Heimspeichern ebenso wie bei Großspeichern. Die Anlagengröße verändert daher weniger die Art der Gefahr, wohl aber das mögliche Ausmaß.
Fachgerechte Planung sorgt für Sicherheit
Für die Praxis heißt das: Ein Batteriespeicher gehört nicht „irgendwo“ in den Keller, sondern muss fachgerecht geplant, installiert und betrieben werden. Entscheidend sind geeignete Aufstellorte, ausreichende Belüftung, Schutz vor mechanischer Beschädigung, ein funktionierendes Batteriemanagementsystem und klare Hinweise für Einsatzkräfte. Die VDE-Anwendungsregel 2510-2 beschreibt Sicherheitsanforderungen für Planung, Errichtung, Betrieb, Demontage und Entsorgung stationärer Energiespeichersysteme am Niederspannungsnetz.
Installateure und Planer sollten den Brandschutz früh mitdenken: Wo befindet sich der Speicher? Ist er zugänglich, ohne Fluchtwege zu blockieren? Gibt es einen Übersichtsplan für die Feuerwehr? Sind Abschaltmöglichkeiten, Kennzeichnungen und Herstellerangaben dokumentiert? Besonders bei größeren Anlagen müssen zudem Lüftung, Explosionsschutz, Löschwasserrückhaltung und die Abstimmung mit Feuerwehr, Bauaufsicht und Umweltbehörde berücksichtigt werden.
Bei großen Anlagen: Rückhaltung von Löschwasser mitdenken
Das vfdb-Merkblatt stellt klar: Wasser bleibt im Brandfall das wichtigste Lösch- und Kühlmittel. Es löscht nicht nur Flammen, sondern hilft vor allem, die Batterie zu kühlen und weitere Zellreaktionen zu verhindern. Gleichzeitig kann Löschwasser mit Fluoriden, Schwermetallen und weiteren Stoffen belastet sein. Für Betreiber größerer Anlagen ist daher die Frage der Rückhaltung und Entsorgung ein wichtiger Teil der Planung. Das Merkblatt „Umgang mit Lithium-Ionen-Batterien nach der AwSV“ des Bund-Länder-Arbeitskreises ordnet die Anforderungen aus Sicht des Gewässerschutzes ein.
Auch nach einem scheinbar gelöschten Brand ist Vorsicht geboten. Batteriemodule können im Inneren noch heiß sein oder weiterhin unter Spannung stehen. Die vfdb empfiehlt deshalb Temperaturkontrollen, etwa mit Wärmebildkamera, und eine sorgfältige Übergabe der Einsatzstelle. Wegen möglicher Brandrauch- und Schadstoffbelastungen gelten zudem strenge Hygieneregeln für Einsatzkräfte.
Für die Praxis ist das Merkblatt ein wichtiger Hinweis: Sicherheit entsteht nicht erst im Einsatzfall, sondern bei Auswahl, Planung, Installation und Betrieb. Wer Batteriespeicher fachgerecht einbindet, dokumentiert und mit dem Brandschutz zusammendenkt, reduziert Risiken deutlich.
















