Die Batterie zwischen Netz und Markt: Wie bekommen wir die Sau zum Fliegen?

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22.09.2026 Kolumne
Sebastian Pönsgen Experte für Photovoltaik, Batteriespeicher und Energiemärkte
Die Batterie zwischen Netz und Markt: Wie bekommen wir die Sau zum Fliegen?

Die Solarbranche hat ein Komfortproblem. Wir sind mit dem EEG groß geworden. Das war richtig, notwendig und ungeheuer erfolgreich. Feste Vergütungen haben Investitionen ermöglicht, Finanzierungen kalkulierbar gemacht und Photovoltaik vom Nischenprodukt zum Massenmarkt geführt. Aber diese Erfolgsgeschichte hat uns auch verwöhnt.

Wir erzählen uns gerne, wir hätten schon immer „erklärungsbedürftige Produkte“ verkauft. Ganz so heldenhaft war es nicht. Im Kern haben wir über viele Jahre vor allem eines verkauft: Sicherheit.

Anlage bauen. Strom produzieren. Einspeisen. Vergütung erhalten. Zwanzig Jahre Laufzeit. Der technische Gegenstand war erklärungsbedürftig - das Geschäftsmodell dagegen verblüffend einfach.

Seit zehn oder fünfzehn Jahren reden wir darüber, dass erneuerbare Energien irgendwann ohne diese Absicherung auskommen und eigene Geschäftsmodelle entwickeln müssen. Jetzt ist dieser Zeitpunkt da. Und plötzlich merken wir: Das ist anspruchsvoller, als darüber zu reden.

Batteriespeicher sind dafür das perfekte Beispiel.

Sie benötigen in vielen Anwendungen keine Förderung mehr, um wirtschaftlich interessant zu sein. Sie können Eigenverbrauch optimieren, Lastspitzen reduzieren, dynamische Strompreise nutzen, Energie zeitlich verschieben, Ladeinfrastruktur unterstützen, Flexibilität vermarkten und Netzdienstleistungen erbringen.

Der eigentliche Wert entsteht häufig erst durch die intelligente Kombination verschiedener Anwendungen: Value Stacking.

Damit verändert sich aber das gesamte Spiel.

Wir verkaufen nicht mehr einen einfachen, langfristig garantierten Cashflow. Wir verkaufen ein System, dessen wirtschaftlicher Wert aus mehreren Erlösquellen, unterschiedlichen Marktbedingungen, Daten, Steuerung, Verträgen und Risiken entsteht.

Und damit stellt sich neben der technischen Frage plötzlich eine ganz andere: Wie sage ich es meinem Kunden?

Ein Kunde kauft keinen „Speicher mit 2 MWh“. Er kauft niedrigere Stromkosten, höhere Versorgungssicherheit, zusätzliche Erlöse, mehr Flexibilität oder eine bessere Nutzung seiner Infrastruktur. Das müssen wir verstehen, berechnen - und erklären können.

Genau hier trennt sich für mich zunehmend der professionelle Energiemarkt von der alten Goldgräberlogik.

Wer nur gelernt hat, eine Anlage mit einem garantierten Vergütungssatz zu verkaufen, wird es schwer haben. Wer dagegen Strommarkt, Netz, Technik, Finanzierung und Kundenbedarf zusammenbringen kann, bekommt gerade enorme neue Möglichkeiten.

Das ist unbequemer als die alte Welt. Aber es ist auch wesentlich spannender.

Wir müssen Bankability neu denken. Nicht mehr ausschließlich als staatlich garantierten Cashflow, sondern als professionell beherrschbares Zusammenspiel verschiedener Erlöse und Risiken.

Und wir müssen aufhören, Komplexität ausschließlich als Problem zu betrachten. Sie ist auch eine Markteintrittsbarriere.

Die einfachen Geschäftsmodelle verschwinden. Die Glücksritter vermutlich ebenfalls. Die Profis bekommen dafür einen erheblich größeren Werkzeugkasten.

Vielleicht ist genau das der Moment, in dem die Energiewende wirklich erwachsen wird.

Und dann bleibt eigentlich nur noch eine Frage: Wie kriegen wir die Sau zum Fliegen?