EEG 2027: Jetzt muss die Solarbranche erwachsen werden
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Der Entwurf zum EEG 2027 sorgt für Unruhe in der Solarbranche. Zu Recht. Bewährte Erlösmodelle geraten unter Druck, Finanzierungen werden schwieriger und das wirtschaftliche Sicherheitsnetz fällt weg: die verlässliche EEG-Einspeisung.
Man kann darüber klagen. Oder wir akzeptieren, dass die Solarbranche erwachsen werden muss.
Und Erwachsenwerden ist selten angenehm.
Bislang war es einfach: Wenn Eigenverbrauch, Direktlieferung oder andere Vermarktungsmodelle nicht wie geplant funktionierten, blieb die EEG-Einspeisung. Dieser Fallback hat Banken beruhigt, Investitionen kalkulierbar gemacht und manches Geschäftsmodell gerettet.
Dieser Schutzraum wird kleiner. Bei neuen Kleinanlagen soll die feste Einspeisevergütung entfallen. Zunächst gibt es eine Übergangslösung, später eine marktwertbasierte Abnahme. Bei geförderten Anlagen ab 100 Kilowatt sollen Mehrerlöse über den Refinanzierungsbeitrag abgeschöpft werden – auch bei zwischengespeichertem Strom.
Unterm Strich heißt das: mehr Risiko, mehr Komplexität und weniger Planungssicherheit. Dass Enpal und 1KOMMA5° diese Richtung ausdrücklich begrüßen, überrascht mich nicht. Für mich zeigt das deutlich, wem der Entwurf in die Hände spielt: den großen, kapitalstarken Marktteilnehmern. Sie können ihren Kunden die Finanzierung gleich mitliefern und müssen nicht erst eine Bank davon überzeugen, dass ein neues Erlösmodell trägt.
Das regionale Handwerk und kleinere Projektierer haben diesen Vorsprung nicht. Ihre Kunden sind auf Banken angewiesen, deren Kreditrichtlinien noch auf die alte EEG-Logik zugeschnitten sind. Fällt die gesetzlich abgesicherte Einnahme weg, wird aus einem bekannten Finanzierungsfall ein neues Risikomodell.
Für die Großen wird der Ball auf den Elfmeterpunkt gelegt. Für die Kleinen wird das Tor schmaler gemacht.
Aus meiner Praxis weiß ich: Schon heute ist es bei kleineren Anlagen nicht immer einfach, einen passenden Direktvermarkter zu finden. Wenn künftig mehr Projekte in diese Vermarktung gedrängt werden, steigen Aufwand und Kosten. Prozentual trifft das kleinere Anlagen besonders hart.
Auch die Verlagerung von Ausschreibungsvolumen auf Freiflächen ist problematisch. Die reine Kilowattstunde mag dort günstiger sein. Der Strom entsteht dann aber häufiger weit weg vom Verbrauch. Das erhöht Transportbedarf, belastet Netze und schwächt die verbrauchsnahe Erzeugung auf Gewerbedächern.
2012 haben wir erlebt, wie schnell ein Markt in ein Loch fällt, wenn Vergütungskürzungen, technische Änderungen und ein angespannter Markt auf eine unvorbereitete Branche treffen. Heute ist die Lage 1 anders. Die Lektion bleibt: Wer erst nach Inkrafttreten neuer Regeln sein Geschäftsmodell umbaut, ist zu spät.
Was folgt daraus?
Erstens müssen wir die nächsten Wochen nutzen und uns in das politische Verfahren einmischen. Sichtbar, laut und mit brauchbaren Vorschlägen. Wir brauchen einen Refinanzierungsmechanismus, der Speicher und PPAs nicht entwertet, einen Erlösanker für kleinere Anlagen und einen echten Entwicklungskorridor. Die Branche einfach ins kalte Wasser zu werfen, ist keine Marktintegration.
Zweitens müssen wir ehrlich zu uns selbst sein. Gerade die kleineren Marktteilnehmer sind zu lange auf den alten EEG-Pfaden geblieben. Eigenverbrauch, Direktlieferung, Speicher, flexible Lasten, PPAs, Contracting sowie die Verbindung von Strom, Wärme und Mobilität wurden oft diskutiert – aber zu selten zu tragfähigen Produkten entwickelt.
Genau deshalb trifft uns der abrupte Wechsel jetzt so hart. Ein kräftiger Schubs war wahrscheinlich nötig. Doch wenn Risiken steigen, Erlöschancen schrumpfen und Finanzierungspfade wegbrechen, fehlt der Raum, in dem neue Modelle entstehen sollen.
Und wir müssen die Banken knacken – nicht ihre Tresore, sondern ihre Denkmuster. Technik, tragfähige Geschäftsmodelle und Finanzierung müssen so zusammengebracht werden, dass daraus umsetzbare Projekte entstehen. „Alle sagten: Das geht nicht. Dann kam einer, der wusste das nicht – und hat es gemacht.“
Ja, der Satz hängt vermutlich auf zu vielen Bürowänden. Aber die Haltung dahinter brauchen wir jetzt.
Die Möglichkeiten sind da. Die Methoden sind bekannt. Also packen wir es an.
Sebastian Pönsgen ist seit rund 20 Jahren in der Branche der erneuerbaren Energien tätig. Er entwickelt dezentrale Energiekonzepte und tragfähige Geschäftsmodelle, die technische Möglichkeiten, regulatorische Rahmenbedingungen und Finanzierung miteinander verbinden. Als Vorstand und Initiator des PI Instituts für regenerative Energien setzt er sich für regionale Wertschöpfung und neue Marktmodelle ein.
















