Wenn ein See Teil der Energiewende wird

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17.02.2026 Kolumne
Dennis Scharbert Leiter strategischer Vertrieb Energiedienstleistung Stadtwerke Düsseldorf AG
Wenn ein See Teil der Energiewende wird

Die Energiewende wird oft technisch beschrieben, in Leistung, Effizienz und Ausbauzielen. Wärmepumpen gelten als Schlüsseltechnologie der Dekarbonisierung, ihre Effizienz hängt jedoch von Quellen und Senken ab, die häufig außerhalb des Gebäudes liegen und damit Teil des öffentlichen Raums werden.

Energieinfrastruktur entsteht nicht im Abstrakten. Sie entsteht an konkreten Orten, mit Menschen, die diese Orte nutzen, schätzen und verteidigen.

Was das bedeutet, zeigt sich an einem See in Düsseldorf.
Für viele Düsseldorfer:innen ist es der Lichtenbroicher Baggersee.
Für die Angler ist es der Gronen See.

Und für den EUREF-Campus Düsseldorf wird er künftig eine thermische Quelle und Senke für eine hocheffiziente Wärmepumpe sein. Während der Campus selbst weitgehend realisiert ist, befindet sich dieser letzte Baustein der Energieversorgung noch im Bau.

Technisch betrachtet übernimmt der See eine doppelte Funktion. Im Winter dient er als Wärmequelle, der dem Wasser Energie entzogen wird, um sie über Wärmepumpen auf ein nutzbares Temperaturniveau anzuheben. Im Sommer fungiert er als Wärmesenke, indem überschüssige Gebäudewärme zurückgeführt wird. Genau diese saisonale Balance ermöglicht eine besonders hohe Systemeffizienz.

Doch wer in einem Landschaftsschutzgebiet baut, bewegt sich nicht nur im technischen Raum. Die seewasserrechtliche Genehmigung war deshalb weit mehr als ein formaler Akt. Sie war ein intensiver Dialogprozess.

Ein zentraler Akteur ist der örtliche Anglerverein. Für seine Mitglieder ist der See Lebensraum, Identifikationsort und Teil gelebter Tradition. Infrastrukturplanung trifft hier auf Naturverbundenheit. Um diese Perspektive besser zu verstehen, habe ich im Zuge des Projekts sogar den Fischereischein gemacht. Nicht als Symbol, sondern aus Überzeugung. Wer früh am Ufer steht, erkennt schnell, dass Wassertemperaturen, Sauerstoffschichten und Laichzeiten keine abstrakten Parameter sind.

Im Rahmen des Genehmigungsverfahrens haben die Stadtwerke Düsseldorf ein limnologisches Gutachten erstellen lassen, also eine wissenschaftliche Untersuchung des Oberflächengewässers. Untersucht wurden Temperaturverläufe, Schichtungsverhalten und mögliche Auswirkungen der thermischen Nutzung. Die Ergebnisse sind eindeutig. Die maximale Erwärmung liegt im Sommer bei rund zwei Kelvin im Monatsmittel, der zusätzliche Energieeintrag entspricht etwa 0,4 Prozent der natürlichen Globalstrahlung. Eine relevante Beeinträchtigung des ökologischen Gleichgewichts ist nicht zu erwarten.

Doch Akzeptanz entsteht nicht allein durch Zahlen. Entscheidend war die transparente Kommunikation. Warum Leitungen in unterschiedlichen Tiefen vorgesehen sind. Wie Entnahme und Rückführung funktionieren. Weshalb der See nicht verbraucht, sondern energetisch genutzt wird.

Der Campus ist gebaut. Die Gebäude stehen. Die Energiezentralen arbeiten.

Die Seewasserthermie ist der letzte sensible Baustein und allerdings auch der anspruchsvollste.

Denn Energiewende im Landschaftsschutzgebiet bedeutet vor allem eines: Vertrauen. Vertrauen durch Zuhören. Durch Dialog. Und durch die Bereitschaft, einen See zugleich als Naturraum und als Teil nachhaltiger Infrastruktur zu begreifen.

Wer mehr über die Seewasserthermie und die dahinterstehende Idee erfahren möchte, ist herzlich eingeladen, sich selbst ein Bild am EUREF-Campus Düsseldorf zu machen oder mit mir ins Gespräch zu kommen.