Energy Sharing der Zukunft – Was sich konkret bis 2030 ändern wird
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Über Jahre war die Einspeisevergütung das zentrale Instrument, um Photovoltaik in den Markt zu bringen. Mission erfüllt: Vier Millionen PV-Anlagen in Deutschland sprechen eine klare Sprache. Die Wachstumsraten waren enorm, der Markthochlauf ein Erfolg. Doch genau hier liegt das Problem: Ein System, das für den Aufbau gedacht war, ist nicht automatisch das richtige System für den Dauerbetrieb. Für die nächste Phase der Energiewende reicht die Einspeisevergütung nicht mehr aus. Wer heute ein wirklich nachhaltiges Energiesystem gestalten will, kommt an Energy Sharing nicht vorbei.
Step 1: Die Einspeisevergütung ist ein Auslaufmodell.
Bis Ende 2026 fallen 62.000 Anlagen aus der EEG-Vergütung, bis 2030 sogar rund 700.000. Hunderttausende Betreiber werden dann feststellen: Ihr Geschäftsmodell ist schlicht tot. Weiterhin Strom zu Dumpingpreisen ins Netz zu drücken, ist volkswirtschaftlicher Unsinn. Energy Sharing dreht das Prinzip um: Strom wird dort genutzt, wo er entsteht – im Quartier, im Gewerbegebiet, in der Nachbarschaft. Regionale Nutzung statt anonyme Börse. Lokale Wertschöpfung statt Preisverfall. Die Frage ist nicht, ob Energy Sharing kommt – sondern warum wir so lange gewartet haben.
Step 2: Akzeptanz entsteht durch Beteiligung.
Die Energiewende leidet nicht an Technik, sondern an Distanz. Menschen akzeptieren Projekte, von denen sie profitieren. Wenn der Strom aus der eigenen Straße kommt, wird die PV-Anlage auf dem Supermarktparkplatz plötzlich zum Gemeinschaftsprojekt. Energy Sharing macht aus abstrakten Megawatt konkrete Nachbarschaftsenergie. B2B liefert an B2C – und umgekehrt. Strom wird so regional wie Brot vom Bäcker nebenan.
Step 3: Ohne Energy Sharing explodieren die Netzkosten.
Unser Netz ist nicht für Millionen gleichzeitiger Einspeiser gebaut. Heute produzieren alle um 13 Uhr – und abends fehlen die Kilowattstunden. Das ist ineffizient und teuer. Lokale Energiegemeinschaften können Angebot und Nachfrage intelligent ausbalancieren. Speicher, Wärmepumpen und E-Autos werden aktive Marktteilnehmer. Das Ergebnis: ein echter Polypol der Energie – dezentral, flexibel, stabil.
Step 4: Plattformen für Mieterstrom und Energy Sharing fressen Energieversorger.
Energy Sharing ist kein Wohlfühlkonzept, sondern ein digitales Powerhouse. Smart Meter, dynamische Tarife, Echtzeit-Matching und automatisierte Abrechnung machen Strom zu einem stündlich handelbaren Gut. Wer morgen die Plattform kontrolliert, kontrolliert den Markt. Klassische Versorger werden zu reinen Infrastrukturdienstleistern degradiert.
Step 5: Energy Sharing ist das bessere Geschäftsmodell.
Die Einspeisevergütung bezahlt blind für Kilowattstunden. Energy Sharing bezahlt für Intelligenz: Verbrauch zur richtigen Zeit, Speicherung am richtigen Ort, Steuerung im richtigen Moment. Für Installateure und Projektierer eröffnet das völlig neue Märkte. Die Branche wird vom Hardwarelieferanten zum Systemarchitekten.
Step 6: Energy Sharing demokratisiert Energie.
Bürger, Unternehmen und Kommunen werden echte Marktteilnehmer statt Bittsteller großer Konzerne. Energie wird lokal, transparent und gemeinschaftlich. Genau das war der ursprüngliche Geist der Energiewende – und genau dorthin führt Energy Sharing zurück. Die Technik ist da. Die Geschäftsmodelle sind da. Was fehlt, ist der politische Mut, den regulatorischen Deckel zu heben. Für uns als Branche ist das eine Jahrhundertchance: Wir können vom Verkäufer von Modulen zum Gestalter eines neuen Energiemarktes werden.
Die Zukunft gehört nicht dem Einspeiser. Sie gehört der Gemeinschaft.
Ich nenne es: kollektives Energy Sharing.















