Fraunhofer ISE und Öko-Institut veröffentlichen Studie zu kommunalen Wärmeplänen

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03.04.2026 Hauptartikel
Kristina  Pfeil Kristina Pfeil Journalistin
Fraunhofer ISE und Öko-Institut veröffentlichen Studie zu kommunalen Wärmeplänen

Mit dem Wärmeplanungsgesetz (WPG) sind rund 11.000 Kommunen verpflichtet, bis spätestens Ende Juni 2028 eine kommunale Wärmeplanung vorzulegen. Für Gemeinden mit mehr als 100.000 Einwohnern ist bereits der 30. Juni 2026 Stichtag. Ziel ist es, die Wärmeversorgung langfristig klimaneutral zu gestalten, etwa durch Wärmenetze, Wärmepumpen, Biomasse oder eine Kombination verschiedener Lösungen.

Wie unterschiedlich diese Transformationspfade ausfallen, zeigt nun eine Studie des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme (ISE) und des Öko-Instituts. Erstmals wurden 113 kommunale Wärmepläne für 223 Kommunen aus dem gesamten Bundesgebiet ausgewertet. Das zentrale Ergebnis: Wärmepumpen stehen im Zentrum der kommunalen Wärmewende. Zugleich setzen vor allem größere Kommunen auf Wärmenetze. „Über alle Pläne und Kommunengrößen hinweg zeigt sich, dass die Wärmepumpe die wesentliche Technologie für jene Gebiete ist, die sich nicht für eine zentrale Wärmeversorgung über Wärmenetze eignen“, sagt Marc Stobbe, wissenschaftlicher Mitarbeiter im Bereich Energie und Klimaschutz des Öko-Instituts.

Lokale Rahmenbedingungen prägen die Strategie

Vor allem die lokalen Rahmenbedingungen prägen die Strategien. In Großstädten mit mehr als 100.000 Einwohnerinnen und Einwohnern liegen die geplanten Anteile leitungsgebundener Wärmeversorgung im Jahr 2045 laut Studie zwischen 47 und 82 Prozent. Kleinere Kommunen im ländlichen Raum verfolgen dagegen häufiger dezentrale Ansätze. Über alle Kommunengrößen hinweg soll der Anteil der Wärmenetze von heute durchschnittlich 16 auf 40 Prozent steigen. Gleichzeitig zeigen die ausgewerteten Pläne, dass Wärmepumpen auch innerhalb von Wärmenetzen eine wichtige Rolle übernehmen sollen.

Unscharfe Annahmen kritisiert

Die Studie benennt jedoch auch deutliche Schwachstellen. Als zentrales Manko vieler Wärmepläne wird die nicht ausreichende Berücksichtigung der Nachfrage nach Raum- und Prozesswärme aus Gewerbe und Industrie genannt. Zudem gehen viele Kommunen von sinkenden Wärmebedarfen aus, ohne transparent zu machen, ob diese Annahmen auf Gebäudesanierungen, Effizienzmaßnahmen oder anderen Faktoren beruhen. Fraunhofer ISE und Öko-Institut empfehlen deshalb, einen standardisierten Korridor für plausible Energieeinsparungen festzulegen. Kommunen sollten davon zwar abweichen können, dies dann aber ausdrücklich begründen müssen.

Auch beim Thema Biomasse sehen die Forschenden Klärungsbedarf. Die Analyse zeigt, dass Kommunen teils sehr unterschiedlich definieren, was überhaupt als Biomasse gilt. Zudem übersteigt in vielen Plänen der angesetzte Verbrauch biogener Energieträger das lokal verfügbare Potenzial. Das weckt Zweifel an der langfristigen Nachhaltigkeit und Umsetzbarkeit einzelner Strategien.

Verlässliche Leitplanken für die Wärmewende gefordert

Aus Sicht der Autorinnen und Autoren braucht die kommunale Wärmewende deshalb nicht nur ambitionierte Ziele, sondern auch bessere Leitplanken. Sie schlagen vor, das geplante Gebäudemodernisierungsgesetz und das Wärmeplanungsgesetz enger aufeinander abzustimmen. Ebenso wichtig seien langfristig verlässliche Förderinstrumente wie die Bundesförderung für effiziente Wärmenetze und die Bundesförderung für effiziente Gebäude. Nur wenn Planungsannahmen nachvollziehbar, Förderbedingungen stabil und Investitionssignale klar seien, könnten Wärmepläne zu einer belastbaren Grundlage für Netzbetreiber, Energieversorger und Kommunen werden.

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