Wärmepumpen übernehmen erstmals die Marktführung
Zurück
Der deutsche Heizungsmarkt hat im Jahr 2025 eine historische Zäsur erlebt: Erstmals sind Wärmepumpen das meistverkaufte Heizsystem des Landes. Mit rund 299.000 verkauften Geräten und einem Marktanteil von 48 Prozent haben sie Gas- und Ölheizungen überholt. Das geht aus der aktuellen Branchenstudie 2026 des Bundesverbands Wärmepumpe (BWP) hervor.
Dieser Durchbruch der Wärmepumpe erfolgt zu einem Zeitpunkt, an dem der gesamte Heizungsmarkt mit nur 627.000 verkauften Systemen im Jahr 2025 auf dem niedrigsten Stand seit 20 Jahren liegt
Vertrauen in die Technologie wächst
Wärmepumpen werden laut der Studie zunehmend als „verlässliche, verfügbare und zukunftssichere Investition“ angesehen. Gleichzeitig hat sich die Bewertung fossiler Heizsysteme deutlich verschoben: Gas- und Ölheizungen gelten nicht mehr nur als klimaschädlich, sondern vor allem als wirtschaftliches Risiko.
Diese Neubewertung hängt eng mit geopolitischen Entwicklungen zusammen. Die starke Importabhängigkeit Deutschlands bei Erdgas und Heizöl macht Verbraucher anfällig für Preisschwankungen und Versorgungsunsicherheiten. Wärmepumpen hingegen bieten eine Perspektive auf mehr Unabhängigkeit und Planbarkeit.
Laut Studie haben sich Lieferketten stabilisiert, Produktionskapazitäten wurden ausgebaut und das Fachhandwerk hat seine Kompetenzen deutlich gesteigert. Diese Faktoren ermöglichen es, die steigende Nachfrage überhaupt zu bedienen – ein entscheidender Unterschied zu früheren Jahren.
Politische Unsicherheit bremst den Markt
Trotz der positiven Entwicklung ist der weitere Markthochlauf keineswegs gesichert. Die Studie zeichnet ein differenziertes Bild: Während die Nachfrage grundsätzlich vorhanden ist, sorgen politische und regulatorische Unsicherheiten für Zurückhaltung bei Investitionen.
Ein zentrales Beispiel ist das geplante Gebäudemodernisierungsgesetz (GMG), das das bestehende Gebäudeenergiegesetz ablösen soll. Die bislang bekannten Eckpunkte senden widersprüchliche Signale. Einerseits wird die Verpflichtung zu einem Mindestanteil erneuerbarer Energien bei neuen Heizungen aufgehoben, was den Einbau fossiler Systeme wieder attraktiver erscheinen lässt. Andererseits stehen diese Signale im Widerspruch zu langfristigen Klimazielen und den realen Risiken fossiler Energieträger.
Für viele Hauseigentümer entsteht dadurch ein Dilemma: Die Entscheidung gegen eine neue fossile Heizung ist häufig bereits gefallen – die Entscheidung für die Wärmepumpe wird jedoch aufgeschoben. Dieser „Attentismus“ am Heizungsmarkt ist laut Studie ein zentraler Faktor für die zukünftige Marktentwicklung.
Förderung
Besonders entscheidend ist die Zukunft der staatlichen Heizungsförderung. Im sogenannten Business-as-usual-Szenario geht die Studie von einem moderaten Wachstum von rund zehn Prozent jährlich aus – vorausgesetzt, die bestehenden Förderprogramme bleiben stabil.
Doch die Sensitivitätsanalyse zeigt auch die Risiken: Sollten Förderprogramme gekürzt oder grundlegend umgestaltet werden, könnte der Absatz von Wärmepumpen um bis zu 40 Prozent einbrechen. Ein solcher Rückgang würde nur teilweise durch steigende Nachfrage nach fossilen Heizungen kompensiert werden. Stattdessen würden viele Haushalte Investitionen ganz verschieben und bestehende Anlagen länger nutzen oder reparieren.
Dies verdeutlicht, dass Subventionen sowohl der größte Treiber für Wärmepumpen auf dem deutschen Markt als auch eine potenzielle Schwäche darstellen.
Strompreise als Hebel für weiteres Wachstum
Darüber hinaus spielen die Energiepreise eine wichtige Rolle bei der Akzeptanz der Wärmepumpe. Im ambitionierten Zielszenario könnten Maßnahmen zur Senkung der Strompreise sowie die konsequente Umsetzung des europäischen Emissionshandels (ETS 2) zusätzliche Investitionen auslösen.
Unter solchen Bedingungen wäre sogar ein kurzfristiger Anstieg auf 500.000 installierte Wärmepumpen pro Jahr realistisch. Auch kommunale Wärmepläne spielen dabei eine wichtige Rolle: Sie schaffen Orientierung, indem sie aufzeigen, wo Fernwärme ausgebaut wird und wo dezentrale Lösungen wie Wärmepumpen die beste Option sind.
Industrie mit strategischer Bedeutung
Die Studie betont zudem die volkswirtschaftliche Bedeutung der Wärmepumpenbranche. Rund 100.000 Arbeitsplätze hängen direkt oder indirekt an der Technologie. In Zeiten wirtschaftlicher Unsicherheit und globaler Spannungen könnte die Branche zu einer industriellen Erfolgsgeschichte werden – vorausgesetzt, die politischen Rahmenbedingungen stimmen.
Die Autoren formulieren daher klare Handlungsempfehlungen: Eine stabile Fortführung der Förderung, die Entlastung von Strompreisen und das Festhalten am Emissionshandelssystem sind aus ihrer Sicht zentrale Voraussetzungen für weiteres Wachstum.
Quelle: https://www.waermepumpe.de/fileadmin/user_upload/2026-03-30_BWP-Branchenstudie_2026_final.pdf

















