Studie zeigt: Kreislaufwirtschaft in der Photovoltaik zahlt sich aus

Zurück
31.07.2026 Hauptartikel
Sven Ullrich Sven Ullrich E-mail Journalist
Studie zeigt: Kreislaufwirtschaft in der Photovoltaik zahlt sich aus

Die Reparatur von Wechselrichtern oder die Wiederverwendung von gebrauchten Solarmodulen senkt nicht nur den Ressourcenverbrauch, sondern auch die Betriebskosten. Mit der Kreislaufwirtschaft sind auch neue Geschäftsmodelle möglich.

Maßnahmen für die Einführung einer Kreislaufwirtschaft in der Photovoltaik sind mit überschaubarem Aufwand realisierbar. Damit wird dieser Ansatz zur Reparatur und Wiederverwendung von Komponenten wirtschaftlich. Das ist das Ergebnis einer Fallstudie, die die Beratungsgesellschaft Deloitte zusammen mit dem Energieunternehmen EnBW durchgeführt hat.

Bei der Studie wurde die gesamte Wertschöpfungskette von Photovoltaikanlagen daraufhin untersucht, wie sich die Kreislaufwirtschaft umsetzen lässt. Kreislaufwirtschaft geht dabei über das reine Recycling von Komponenten – hauptsächlich von Solarmodulen und Leistungselektronik – hinaus. Vielmehr haben die Analysten untersucht, wie sich die Reparatur etwa von Wechselrichtern durch spezialisierte Dienstleister und die Wiederverwendung beispielsweise von Solarmodulen auf Zweitmärkten rechnet.

Produkte und Materialien im Kreislauf halten

Ziel ist es, Produkte und Materialien möglichst lange im Kreislauf zu halten – und so Abfall, Kosten und Abhängigkeiten von Primärrohstoffen zu reduzieren. Die Studie zeigt auch, welche konkreten Maßnahmen die Kreislaufwirtschaft in der Photovoltaik vorantreiben und welche Geschäftsmodelle sich damit umsetzen lassen. Erste Praxistests zeigen, dass die untersuchten Ansätze der Kreislaufwirtschaft kostenneutral, oft sogar mit Erlösen möglich sind. Zudem senken die Reparatur und Wiederverwendung von Wechselrichtern und Modulen auch die Betriebskosten der Anlagen und erhöhen die Lebensdauer der Komponenten.

Jetzt schon Kooperationen aufbauen

Die Analysten haben aber auch in die Zukunft geschaut. Denn mit dem erwarteten Rückbau der ersten großen Solarparks ab 2035 sammeln sich erhebliche Mengen an Sekundärrohstoffen wie Stahl, Aluminium, Kupfer und Silizium an. Wer frühzeitig Erfahrungen mit Reparatur, Wiederverwendung und innovativen Recyclingverfahren sammele, könne sich in den entstehenden Märkten für Sekundärmaterialien positionieren und von steigenden Rohstoffpreisen profitieren, betonen die Projektpartner.

Dazu müssen jetzt schon Kooperationen mit Dienstleistern und anderen Unternehmen aufgebaut werden. Denn einzelne Unternehmen können nicht alle Hebel der Kreislaufwirtschaft allein bedienen. Für eine erfolgreiche Transformation brauche es branchenweite Initiativen, neue Geschäftsmodelle für Sekundärrohstoffe und unterstützende politische Rahmenbedingungen – etwa durch die Förderung von Recyclingkapazitäten, die Harmonisierung von Standards und die Schaffung von Datentransparenz in den Lieferketten.

Technologien für Kreislaufwirtschaft entwickeln

So gelingt die Transformation hin zu einer Kreislaufwirtschaft schrittweise, wie es Matthias Schmidt, Partner im Bereich Sustainability Assurance bei Deloitte, ausdrückt. „Dort, wo einzelne Unternehmen direkten Einfluss haben, etwa im eigenen Betrieb, zeigen sich heute schon die Vorteile der Kreislaufwirtschaft“, sagt er. „Um zentrale Hebel wie geschlossene Materialkreisläufe zu nutzen, müssen Märkte geschaffen, Technologien weiterentwickelt und Standards vereinheitlicht werden. Dafür muss jetzt der Rahmen auf europäischer wie nationaler Ebene gesetzt werden.“ Für die Unternehmen sei es wiederum wichtig, nicht abzuwarten, sondern Erfahrungen zu sammeln und die Geschäftsmodelle entsprechend anzupassen.

Link zur Studie: https://www.deloitte.com/content/dam/assets-zone2/de/no-index/2026/audit---assurance/Kreislaufwirtschaft-Photovoltaik-bei-EnBW-Publikation-Deloitte.pdf