bne-Analyse: Spitzenkappung ist bei Netzbetreibern die Ausnahme

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29.10.2026 News
Iris Krampitz Iris Krampitz E-mail Journalistin
bne-Analyse: Spitzenkappung ist bei Netzbetreibern die Ausnahme

Weniger als 15 Prozent der Verteilnetzbetreiber berücksichtigen die Spitzenkappung bei der Dimensionierung ihrer Netze, wie eine aktuelle Analyse des Bundesverbands Neue Energiewirtschaft (bne) zeigt. Das Instrument soll dabei helfen, Netzkapazitäten effizienter zu nutzen.

Hohe Einspeisespitzen von Wind- und Solarstrom treten nur selten auf, können den Netzausbau aber erheblich verteuern. Das Energiewirtschaftsgesetz erlaubt Verteilnetzbetreibern deshalb, bei der Dimensionierung ihrer Netze die zeitweise Abregelung von Wind- und Solaranlagen zu berücksichtigen. Dadurch sollen – bei einer Reduktion der jährlich erzeugten Strommenge von maximal drei Prozent – zusätzliche Anlagen angeschlossen und unnötige Netzausbaukosten vermieden werden. Der bne hat in einer umfangreichen Hintergrundanalyse untersucht, inwieweit Netzbetreiber dieses Instrument nutzen.

Die Analyse zeigt, dass 85,5 Prozent der untersuchten Verteilnetzbetreiber die Spitzenkappung nicht erkennbar berücksichtigen. Von 83 untersuchten Netzbetreibern dokumentieren nur fünf einen systematischen Planungsansatz. Drei weitere wenden die Spitzenkappung punktuell an. 734 Netzbetreiber konnten bei der Analyse nicht berücksichtigt werden, weil dem bne wegen ihrer geringen Größe keine gesonderten Netzausbaupläne vorlagen.

bne fordert mehr Transparenz

Der Verband geht davon aus, dass die Zurückhaltung der Netzbetreiber an regulatorischen Fehlanreizen liegt: Zusätzlicher Netzausbau könne sich finanziell lohnen, weil zusätzliche Netzinvestitionen die verzinste Kapitalbasis der Netzbetreiber erhöhen, so der bne. Wer dagegen durch Spitzenkappung Investitionen vermeidet, erhalte dafür keine vergleichbare unmittelbare Vergütung. Der bne fordert deshalb transparente Wirtschaftlichkeitsvergleiche einer Netzplanung mit und ohne Spitzenkappung. Außerdem sollten Netzbetreiber darlegen, welche Alternativen sie geprüft haben und welche Anschlussmöglichkeiten und Kosteneinsparungen dadurch entstehen.

Für besonders brisant hält der bne die geringe Nutzung der Spitzenkappung vor dem Hintergrund des geplanten Redispatch-Vorbehalts: „Wir stecken mitten in einer Netz(anschluss)krise, deren Überwindung für die Gesamtwirtschaft absolut prioritär ist. Trotzdem lassen die Netzbetreiber ein gesetzlich vorgesehenes Instrument zur besseren Netznutzung weitgehend liegen. Bevor neue Einschränkungen für Erneuerbare geschaffen werden, müssen die Netzbetreiber ihre Hausaufgaben machen“, fordert bne-Geschäftsführer Robert Busch. Er ergänzt: „Die Regulierung darf Netzbetreiber nicht länger nur dafür belohnen, möglichst viel Infrastruktur zu bauen. Entscheidend ist, dass möglichst viele Anlagen zu möglichst geringen Kosten angeschlossen werden – das ist echte Infrastruktureffizienz.“