Deutsche vs. chinesische Solarmodule: Was steckt wirklich auf deutschen Dächern?

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24.02.2026 Hauptartikel
Kristina  Pfeil Kristina Pfeil Journalistin
Deutsche vs. chinesische Solarmodule: Was steckt wirklich auf deutschen Dächern?

Wer heute in Deutschland eine PV-Anlage kauft, bekommt sehr häufig Module 'Made in China', und zwar selbst dann, wenn der Anbieter eine deutsche Marke ist. Der Grund dafür ist simpel: Der Modulmarkt ist globalisiert, und China dominiert zentrale Teile der Lieferketten.

Laut einer Mitteilung des Statistischen Bundesamts ist China aus deutscher Sicht mit Abstand das wichtigste Herkunftsland für Photovoltaikanlagen: 85,8 Prozent der nach Deutschland eingeführten Photovoltaikanlagen kamen 2024 aus der Volksrepublik, gefolgt von den Niederlande (7,5 Prozent) und Dänemark (1,2 Prozent). Gleichzeitig sank die Produktion von Solarmodulen in Deutschland um gut 56 Prozent auf 1,5 Mio. Module; ein Trend, der 2025 fortsetzte. Auch global zeigt sich die Marktmacht Chinas: Nach Angaben der Internationalen Energieagentur (IEA) liegt Chinas Anteil an allen Stufen der PV-Fertigung (von Polysilizium über Wafer und Zellen bis zu Modulen) bei über 80 Prozent. Unterm Strich heißt das: Der (deutsche) Markt ist klar import geprägt und „Made in Germany“ eine echte Nische.

China punktet durch niedrige Preise

Die Gründe dafür liegen auf der Hand. China produziert günstig in riesigen Stückzahlen, nicht zuletzt weil die Regierung die Produktion von Solarmodulen lange Zeit durch eine Mehrwertsteuer-Exporterstattung (VAT Export Rebat) subventioniert hat. Das Portfolio ist breit: Unterschiedliche Leistungsklassen, Formate und Technologien bieten für fast jedes Dach die perfekte Lösung. Hinzu kommt, dass viele dieser Produkte bei Projektierern und Banken bekannt und damit gewissermaßen 'eingepreist' sind. Das kann die Finanzierung erleichtern.

Für die Verbraucher zahlt sich das direkt aus. Sie profitieren von niedrigeren Investitionskosten, einer schnellen Umsetzung durch sichere Verfügbarkeit und einer großen Auswahl. Gleichzeitig ist der Preisdruck für Installateure hoch; Kunden vergleichen die Angebote stark. Repräsentative Umfragen zeigen als wichtigste Motive beim PV-Kauf vor allem Kostenersparnis und Unabhängigkeit vom Energiemarkt. Ohne chinesische Module im Sortiment könnten die Anbieter preislich kaum mithalten.

Deutsche Module oft klimafreundlicher

Nun könnte Bewegung in die Situation kommen. Der VAT Export Rebat in China wird zum 1. April eingestellt. Das kann der deutschen Industrie zugutekommen, zumal deutsche beziehungsweise europäische Module durchaus bereits punkten, etwa durch kürzere Lieferketten und mehr Transparenz. Ein weiteres Argument ist die Klimabilanz: Eine Studie des Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme (ISE) zeigt, dass der CO₂-Fußabdruck von in Europa hergestellten Silizium-Modulen deutlich geringer ausfallen kann als bei Produktion in China – maßgeblich wegen des Strommixes in der Fertigung. Nicht zu vergessen der industriepolitische Effekt: Wer im eigenen Land produziert und kauft, stärkt Wertschöpfung, Jobs und Know-how vor Ort.

Verschiedene Förderinstrumente zahlen darauf ein. Auf EU-Ebene zielt beispielsweise der Net-Zero Industry Act darauf, dass die EU bis 2030 bei strategischen Netto-Null-Technologien mindestens rund 40 Prozent des jährlichen Bedarfs aus eigener Fertigung decken kann. Das gilt ausdrücklich auch für Photovoltaik.

Technologiesouveränität hierzulande stärken

Befürworter der Förderung argumentieren mit Technologiesouveränität, Gegner warnen vor steigenden Systemkosten und Mitnahmeeffekten. Insgesamt könnte der Ausbau regenerativer Energien gebremst werden, wenn günstige Module fehlen. Realistisch scheint vielen die goldene Mitte: Es geht nicht darum, pauschal Module „Made in Germany“ zu subventionieren, sondern nachhaltige Kriterien gezielt zu fördern, etwa einen kleinen CO₂-Fußabdruck, eine hohe Transparenz oder resiliente Lieferketten.

Rückenwind kommt zwischenzeitlich aus Brüssel: Anfang Februar genehmigte die Europäische Kommission ein von der deutschen Regierung eingereichtes Hilfsprogramm für die Produktion sauberer Energien in Höhe von 3 Milliarden Euro. Das Programm zielt darauf ab, Investitionen zu fördern, die die Produktionskapazität entlang der gesamten solaren Wertschöpfungskette (von Polysilizium bis hin zu Modulen, einschließlich Solarglas) sowie PV-Wechselrichtern und -Trackern erweitern. Dazu EU-Vizekommissionspräsidentin Teresa Ribera: Das Programm für Cleantech-Fertigung in Deutschland werde „zusätzliche Fertigungskapazitäten“ schaffen und zugleich Wettbewerbsverzerrungen begrenzen.