Enercity baut 30-Megawatt-Wärmepumpe für Hannovers Fernwärme
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Der kommunale Energieversorger Enercity treibt den Umbau der Fernwärmeversorgung in Hannover voran. Am zentralen Klärwerk im Stadtteil Herrenhausen entsteht derzeit eine Großwärmepumpe mit 30 Megawatt Leistung. Sie soll künftig Wärme aus gereinigtem Abwasser nutzbar machen und damit einen Teil der bisher kohlebasierten Fernwärme ersetzen.
Das Projekt soll dazu beitragen, die Nutzung fossiler Brennstoffe für die Wärmeversorgung der Stadt schrittweise zu beenden. Das Kohlekraftwerk Stöcken spielt nach wie vor eine wichtige Rolle für die Fernwärmeversorgung Hannovers. Enercity hat den ersten Generator bereits stillgelegt; die Stilllegung des zweiten ist für Frühjahr 2028 geplant.
Die wegfallende Leistung will das Unternehmen durch verschiedene Technologien ersetzen: Neben Biomasse- und Power-to-Heat-Anlagen sollen zusätzliche Abwärme aus einer Müllverbrennungsanlage sowie mehrere Großwärmepumpen in das System integriert werden.
Abwasser als Wärmequelle für das Fernwärmenetz
Die nun im Bau befindliche Anlage in Herrenhausen nutzt behandeltes Abwasser als Wärmequelle. Der Vorteil: Die Temperatur des gereinigten Abwassers bleibt auch im Winter vergleichsweise konstant bei etwa 12 bis 16 Grad Celsius. Die Wärmepumpe soll daraus Fernwärme mit einer Vorlauftemperatur von 95 Grad Celsius bereitstellen. Damit ist sie auf die Anforderungen bestehender Wärmenetze ausgelegt, in denen höhere Temperaturniveaus häufig weiterhin notwendig sind.
Nach Fertigstellung soll die Anlage rund 130 Gigawattstunden Fernwärme pro Jahr erzeugen. Das entspricht laut Enercity etwa sieben bis acht Prozent des Fernwärmebedarfs in Hannover. Versorgt werden könnten damit rechnerisch rund 13.000 Haushalte.
Für die Einbindung in das vorhandene Wärmenetz muss unter anderem die Leine gequert werden. Dafür kommt ein Horizontalspülbohrverfahren zum Einsatz, mit dem Leitungen unterirdisch verlegt werden können.
In den kommenden Wochen sollen die Komponenten über mehrere hundert Meter Rohrleitungen für Verdampfer-, Kondensator- und Reinwasserkreisläufe verbunden werden.
Großwärmepumpen rücken in den Fokus der kommunalen Wärmewende
Unterstützt wird das Projekt mit 22,5 Millionen Euro aus der Bundesförderung für effiziente Wärmenetze. Die Förderung ist ein Baustein der politischen Strategie, kommunale Wärmenetze schneller zu dekarbonisieren und erneuerbare Wärme sowie unvermeidbare Abwärme stärker einzubinden.
Parallel zum Umbau der Erzeugung will Enercity auch das Fernwärmenetz in Hannover deutlich erweitern. Die Länge des Netzes soll von derzeit rund 360 Kilometern auf etwa 550 Kilometer wachsen. Bis 2040 plant das Unternehmen, rund 18.000 Gebäude mit klimaneutraler Fernwärme zu versorgen. Das wäre etwa viermal so viel wie heute.
Das Projekt in Herrenhausen steht damit exemplarisch für eine Entwicklung, die in vielen Städten an Bedeutung gewinnt: Die Wärmewende verlagert sich zunehmend vom Einzelgebäude auf Quartiers- und Infrastrukturebene. Für kommunale Versorger rücken dabei Großwärmepumpen, Abwärmenutzung und der Ausbau bestehender Fernwärmenetze stärker in den Fokus. In Hannover soll die neue Anlage zeigen, wie sich vorhandene städtische Infrastruktur – in diesem Fall ein Klärwerk – für eine klimafreundlichere Wärmeversorgung nutzen lässt.

















