Erneuerbare Energien: Wertschöpfung, die in der Region bleibt

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15.05.2026 Hauptartikel
Kristina  Pfeil Kristina Pfeil Journalistin
Erneuerbare Energien: Wertschöpfung, die in der Region bleibt
©Unsplash

Der Ausbau von Wind- und Solarenergie wird oft vor allem als Klimaschutzprojekt diskutiert. Eine Studie im Auftrag des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie zeigt: Erneuerbare Energien sind auch ein Hebel für regionale Entwicklung. Sie schaffen Einkommen, stärken kommunale Haushalte, sichern Aufträge für lokale Unternehmen und können insbesondere ländlichen und strukturschwachen Regionen neue Perspektiven eröffnen.

Im Jahr 2023 lösten Windenergie an Land, Photovoltaik auf Dächern und Freiflächen bundesweit rund 10 Milliarden Euro direkte Wertschöpfung aus, heißt es in der Studie. Bis 2033 könnte sich dieser Wert auf rund 21 Milliarden Euro mehr als verdoppeln. In allen Technologiesparten werden Steigerungen der Wertschöpfungseffekte erwartet, besonders bei Photovoltaik-Dachanlagen. Im Jahr 2033 beträgt das Potenzial regional verbleibender Wertschöpfung bereits 59 Prozent der ausgelösten Effekte. Grund dafür sind der wachsende Anlagenbestand und der höhere regionale Wertschöpfungsanteil im laufenden Betrieb.

Entscheidend ist dabei nicht nur, wie viele Anlagen gebaut werden, sondern wer plant, baut, betreibt und besitzt. Wertschöpfung bleibt vor allem dann vor Ort, wenn lokale Handwerksbetriebe eingebunden sind, Kommunen Pachteinnahmen erzielen, Gewerbesteuern fließen oder Bürgerinnen und Bürger sowie Stadtwerke direkt beteiligt sind.

Milliardenpotenzial für Regionen

Das Gutachten unterscheidet deshalb zwischen ausgelöster Wertschöpfung und dem Anteil, der tatsächlich in den Standortregionen verbleibt. 2023 konnten rund 4,4 Milliarden Euro als regional wirksame direkte Wertschöpfungseffekte durch Windenergie- und Photovoltaikanlagen gelten. Dieser Wert könnte bis 2033 auf rund 10,2 Milliarden Euro steigen, vorausgesetzt, regionale Eigentums- und Beteiligungsstrukturen bleiben mindestens stabil. Die Studie weist darauf hin, dass hier in vielen Regionen noch erhebliche Potenziale ungenutzt bleiben.

Auch die Beschäftigungswirkung ist erheblich: Für 2023 ermittelt die Studie rund 183.100 direkte und indirekte Vollzeitarbeitsplätze beziehungsweise etwa 191.400 beschäftigte Personen – Tendenz steigend.

Mehr als Stromproduktion

Besonders relevant sind die sogenannten Spillover-Effekte. In den Kreisen mit dem stärksten Windenergieausbau lassen sich laut Studie sieben Prozent des BIP-Wachstums der vergangenen zehn Jahre mit dem Ausbau erklären, in den Spitzenkreisen des Solarausbaus sogar zehn Prozent. Erneuerbare Energien wirken damit über die Stromproduktion hinaus: Sie können neue Dienstleister anziehen, technische Kompetenzen aufbauen, Investitionen auslösen und den Standort für Unternehmen attraktiver machen.

Wie das gelingt, zeigen die fünf untersuchten Praxisbeispiele Dardesheim, Feldheim, Lichtenau, Wilstedt und Wunsiedel. Die Kommunen haben den Ausbau Erneuerbarer Energien aktiv vorangetrieben und erzielen regionale Wertschöpfung über Gewerbesteuern, Pachten, direkte Beteiligungen an Betreibergesellschaften, kommunale Stadtwerke, Bürgerenergiegesellschaften, Genossenschaften, Nachrangdarlehen oder lokale Stromtarife. Die Einnahmen stärken die regionale Wirtschaft, ermöglichen Investitionen in Infrastruktur und Daseinsvorsorge und schaffen Beteiligungsmöglichkeiten für die Zivilgesellschaft. Entscheidend waren meist eine aktive Rolle der Kommune, frühzeitige Planung, transparente Kommunikation, Beteiligung der Bevölkerung und klare Leitlinien gegenüber Projektentwicklern.

Beteiligung als Schlüssel

Gleichzeitig benennt die Studie bestehende Wertschöpfungslücken. Betreibergewinne großer Anlagen fließen häufig ab, wenn Eigentümer außerhalb der Region sitzen. Kommunale Flächen werden nicht immer strategisch für Pachteinnahmen oder eigene Projekte genutzt. Auch die Möglichkeiten nach § 6 EEG oder Landesbeteiligungsgesetzen werden noch nicht überall ausgeschöpft.

Die Handlungsempfehlungen sind entsprechend: Kommunen sollten regionale Wertschöpfung von Anfang an in Leitlinien, Flächenkonzepten und Beteiligungsmodellen verankern. Lokale Unternehmen sollten, wo möglich, in Planung, Bau, Wartung und Betrieb eingebunden werden. Bürgerinnen und Bürger brauchen faire finanzielle Beteiligungsmöglichkeiten und transparente Prozesse.

Bund und Länder wiederum sollten Kommunen stärker unterstützen: durch besser ausgestattete Energie- und Klimaschutzagenturen, klare Beteiligungsleitlinien, einfachere Regeln für Energiegemeinschaften, bessere Investitionsmöglichkeiten für finanzschwache Kommunen und Förderprogramme, die regionale Wertschöpfung ausdrücklich belohnen.

Quelle: Publikation des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie
„Stärkung der regionalen Wertschöpfung durch Erneuerbare Energien“