Koalitionsausschuss plant „Smart Meter Light“ – VDE FNN und DKE warnen vor Chaos

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10.08.2026 Hauptartikel
Iris Krampitz Iris Krampitz E-mail Journalistin
Koalitionsausschuss plant „Smart Meter Light“ – VDE FNN und DKE warnen vor Chaos

Der Koalitionsausschuss hat das Maßnahmenpaket „Ein Programm für Aufschwung und Beschäftigung“ veröffentlicht, das u.a. den Punkt „Planungsbeschleunigung Verteilnetze“ enthält. Für alle, die nicht zum Smart-Meter-Rollout verpflichtet sind, soll es laut Programm eine kostengünstigere Light-Version geben. Das Forum Netztechnik/Netzbetrieb im VDE (VDE FNN) und die Deutsche Kommission Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik (DKE) im VDE kritisieren den Vorschlag und warnen vor Parallelstrukturen und Chaos.

Die Bundesregierung will bis Jahresende ein Verteilnetzpaket auf den Weg bringen, um den Netzausbau zu beschleunigen, die Modernisierung und Digitalisierung voranzutreiben und die Finanzierungsmöglichkeiten zu verbessern. So steht es in dem Maßnahmenpaket „Ein Programm für Aufschwung und Beschäftigung“, das der Koalitionsausschuss der Bundesregierung im Juli beschlossen hat. Mit dem Verteilnetzpaket will die Regierung den Zeitraum für die Realisierung von Netzprojekten halbieren.

Außerdem schärft der Koalitionsausschuss die Ziele für den Smart-Meter-Rollout nach: Bis Ende 2030 soll die Umrüstung auf intelligente Messsysteme für alle relevanten Messstellen zu über 90 Prozent abgeschlossen sein. Für Kunden, die nicht zum Rollout verpflichtet sind, soll es eine Light-Version geben, mit der man kostengünstig und cybersicher seine Stromrechnung optimieren kann.

VDE FNN und DKE: Light-Lösungen bremsen den Rollout

Dass die Bundesregierung den Ausbau der Verteilnetze beschleunigen will, wird von Verbänden wie dem Bundesverband Erneuerbare Energien und dem Zentralverband der Deutschen Elektro- und Informationstechnischen Handwerke begrüßt. Für die Einführung von „Smart Meter Light Systemen“ gibt es dagegen vom Forum Netztechnik/Netzbetrieb im VDE (VDE FNN) und der Deutschen Kommission Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik (DKE) im VDE heftige Kritik. Der skalierende Rollout von intelligenten Messsystemen werde damit gebremst und auf systemische Skaleneffekte verzichtet, so die Institutionen.

„Das wirft den Fahrplan zum Aufbau der neuen sicheren Infrastruktur für die Energiewende zurück“, sagt Frank Borchardt, Leiter des Fachbereichs „Metering und Digitalisierung“ bei VDE FNN und Mitautor eines aktuellen Positionspapiers zum Thema.

Zusätzliche Konzepte bündeln Ressourcen

Zusätzliche technische Konzepte für ein „Smart Meter Light“ würden zunächst erneute Standardisierungs-, Entwicklungs- und Umsetzungsaufwände erfordern und damit für Jahre Ressourcen binden, die für die Beschleunigung des Rollouts benötigt würden. Das Risiko einer parallelen Systemlandschaft würde durch ein „Smart Meter Light“ steigen, so VDE FNN und DKE, während die Skalierung eines bundesweit standardisierten, cybersicheren und interoperablen Rollouts geschwächt werde.

Schließlich müssten auch die „Smart Meter Light“-Systeme ihre Daten in die Netzführungs-, Bilanzierungs- und Beschaffungsprozesse einspeisen und dabei genauso spezifiziert, entwickelt und getestet werden, weil sonst ein Chaos entstehe, warnen VDE FNN und DKE.

Die beiden Institutionen schlagen für die Beschleunigung des Smart-Meter-Rollouts stattdessen vor, für Endkunden außerhalb des verpflichtenden Rollouts die bereits im Messstellenbetriebsgesetz (MsbG) vorgesehene 1:n-Anbindung zu nutzen. Mit dieser Anbindung könnten über ein einziges Smart Meter Gateway (1) mehrere digitale Stromzähler (n) angeschlossen werden. „Diese Lösung ist dadurch besonders für Mehrfamilienhäuser interessant und bereits prozessual voll integriert“, erklärt Frank Borchardt.