Photovoltaik braucht Speicher. Speicher braucht Weiterbildung.

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06.10.2026 Kolumne
Davide Bartesaghi Gründer und Geschäftsführer von Editoriale Farlastrada sowie Chefredakteur von Solare B2B
Photovoltaik braucht Speicher. Speicher braucht Weiterbildung.

Nach Jahren zweistelliger Wachstumsraten, gebrochener Rekorde und immer neuer installierter Gigawatt tritt die Photovoltaik in eine neue Phase ein. In Europa und auch in Italien verlangsamt sich das Wachstum, und der Markt bewegt sich zunehmend in Richtung einer schrittweisen Stabilisierung.

Für 2026 prognostiziert SolarPower Europe einen Rückgang der neu installierten Photovoltaikleistung in Europa um 3,8 Prozent – obwohl einige Länder eine neue Dynamik zeigen. Dazu gehört auch Italien: In den ersten acht Monaten des Jahres ist die neu in Betrieb genommene Photovoltaikleistung dort um 14 Prozent gestiegen.

In Europa setzt das starke Wachstum der volatilen erneuerbaren Energien ein Stromsystem zunehmend unter Druck, das nach völlig anderen Prinzipien konzipiert wurde. Die Folge sind immer häufiger problematische Entwicklungen wie negative Strompreise in Zeiten von Überproduktion, Netzengpässe, Abregelungen und Schwierigkeiten beim Netzanschluss.

In Spanien gab es im ersten Halbjahr fast 600 Stunden mit negativen Strompreisen. In Italien belief sich die aufgrund außerordentlicher Maßnahmen zur Anpassung der Einspeisung und durch Abregelungen nicht erzeugte Solarstrommenge im Jahr 2025 auf 162 Gigawattstunden. Das ist zwar noch ein vergleichsweise geringer Wert, bedeutet aber einen deutlichen Anstieg gegenüber den 7,5 Gigawattstunden, die 2024 nicht genutzt werden konnten. Diese Entwicklungen können die Wirtschaftlichkeit von Photovoltaikanlagen zunehmend beeinträchtigen. In einigen Ländern, in denen das Problem besonders ausgeprägt ist, haben zahlreiche Investoren bereits Anträge für Solarprojekte mit einer Leistung von mehreren Gigawatt zurückgezogen.

Was passiert hier? Das Stromsystem hat sich nicht mit derselben Geschwindigkeit weiterentwickelt wie die Photovoltaik. Das ist problematisch, weil dadurch die Energiewende, die unsere Länder zunehmend dringend benötigen, ins Stocken geraten könnte – auch um die Folgen von Energiekrisen zu begrenzen, die durch die immer häufigeren geopolitischen Konflikte verschärft werden.

Das Stromsystem muss daher in der Lage sein, wachsende Mengen an Solarstrom und erneuerbarer Energie insgesamt aufzunehmen und zu steuern.

Dafür braucht es dringend Innovationen in den Netzen, mehr Flexibilität und vor allem Speichersysteme. Wenn die Photovoltaik zu bestimmten Tageszeiten große Mengen Strom zu niedrigen Kosten zur Verfügung stellt, wird die Fähigkeit, diese Energie dann zu nutzen, wenn sie benötigt wird und wirtschaftlich sinnvoll ist, zum entscheidenden Wertfaktor.

Ein Speichersystem erzeugt keine Energie. Es verschiebt ihre Nutzung zeitlich. Sein Wert liegt vielmehr darin, Energie gezielt dann einsetzen zu können, wenn sie am dringendsten benötigt wird: den Eigenverbrauch zu erhöhen, Lastspitzen zu reduzieren, Verbraucher intelligenter zu steuern und perspektivisch auch Netzdienstleistungen bereitzustellen sowie die Chancen zu nutzen, die sich aus einer höheren Volatilität der Energiepreise ergeben.

Genau hier beginnt für die Branche ein neues und anspruchsvolles Kapitel.

Eine Photovoltaikanlage zu verkaufen, ist vergleichsweise einfach. Die Botschaft ist unmittelbar verständlich: Ich produziere Strom auf dem Dach, verbrauche einen Teil davon selbst, beziehe weniger Strom aus dem Netz und spare dadurch bei den Stromkosten.

Beim Speicher ist das anders. Mit Produkten dieser Komplexität haben wir es bislang kaum zu tun gehabt.

Gerade im C&I-Segment ist die Herausforderung, solche Systeme anzubieten, offensichtlich. Viele italienische Unternehmen betrachten Speicher weiterhin mit Vorsicht, wenn nicht sogar mit Skepsis. Die beiden häufigsten Fragen lauten: „Nach wie vielen Jahren amortisiert sich die Investition?“ und „Welchen konkreten Nutzen hat der Speicher für mein Unternehmen?“

Das sind absolut berechtigte Fragen. Das Problem ist, dass es darauf häufig keine einfache und allgemeingültige Antwort gibt. Denn die Wirtschaftlichkeit hängt vom individuellen Verbrauchsprofil, der Erzeugung der Photovoltaikanlage, den Lastprofilen, den Tarifen, der vertraglich vereinbarten Leistung, der Betriebsstrategie des Batteriespeichers und zahlreichen weiteren Faktoren ab.

Deshalb kann es ein Fehler sein, zu glauben, eine Batterie ließe sich genauso verkaufen wie früher ein Photovoltaikmodul.

Die neue Herausforderung für die Branche besteht nicht einfach darin, einen weiteren Artikel in die Preisliste aufzunehmen. Es geht darum, das Kompetenzniveau zu erhöhen. Arbitrage, Redispatch, Fast Reserve, Systemdienstleistungen, Peak Shaving, Tolling … Hinter diesen zunächst schwer verständlichen Begriffen verbergen sich große Chancen, den wirtschaftlichen Nutzen für Investoren zu steigern.

Und genau deshalb braucht es Weiterbildung. Viel Weiterbildung.

Jahrelang konnte die Photovoltaik auch deshalb so stark wachsen, weil ihr Versprechen außerordentlich einfach war. Jetzt, da der Markt reifer wird, muss auch das Angebot anspruchsvoller und differenzierter werden.

Und vielleicht wird genau hier das nächste große Wachstum der Photovoltaik entstehen. Denn Speicher gehören auch zu den Instrumenten, die neuen Spielraum für einen weiteren Ausbau der Solarenergie schaffen können.

Und genau diesen Ausbau wird unsere Welt immer dringender benötigen.

 

Über den Autor

Davide Bartesaghi ist Gründer und Geschäftsführer von Editoriale Farlastrada sowie Chefredakteur von Solare B2B, einem renommierten italienischen Fachmagazin für Solarenergie und Photovoltaik.