Verzögerungen beim Netzanschluss blockieren 40.000 Ökostromprojekte

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16.06.2026 News
Iris Krampitz Iris Krampitz E-mail Journalistin
Verzögerungen beim Netzanschluss blockieren 40.000 Ökostromprojekte

Eine Studie von Germanwatch und der Deutschen Umwelthilfe belegt, dass knappe Anschlusskapazitäten im Stromverteilnetz und lange Wartezeiten im großen Umfang Investitionen in die Energiewende verhindern. Allein in Deutschland würden 40.000 Projekte in der Warteschleife stecken. Selbst unter der Annahme, dass nur ein Teil dieser Projekte realisiert wird, beläuft sich der geschätzte Gesamtwert verzögerter Investitionen nach Angaben der Autoren auf rund 45 Milliarden Euro.

Laut Studie warten in Deutschland Erneuerbaren-Projekte mit einer Gesamtleistung von 140 Gigawatt und rund 130 Gigawatt Batteriespeicher auf einen Netzanschluss. Henri Schmitz, Referent für Energiepolitik bei der Umwelt- und Entwicklungsorganisation Germanwatch, fordert daher: „Statt des kontraproduktiven Netzanschlusspakets der Bundesregierung braucht es jetzt einen Netzanschluss-Booster.“

Neben Deutschland haben die Autoren in ihrer am 2. Juni veröffentlichten Studie die Situation in sieben weiteren europäischen Ländern untersucht. Über alle acht Länder summieren sich Warteschlagen für den Verteilnetzanschluss auf rund 375 Gigawatt für Erneuerbare und rund 455 Gigawatt für Batteriespeicher im Wert von insgesamt rund 100 Milliarden Euro.

Regulatorische Reformen für beschleunigte Netzanschlüsse

Als Gründe für die Verzögerungen beim Netzanschluss nennen die Autoren neben fehlenden Anschlusskapazitäten insbesondere ineffiziente Regelungen für die Bearbeitung von teils spekulativen Anschlussbegehren und die Reservierung von Kapazitäten. Weitere Hemmnisse seien langwierige Planungs- und Genehmigungsprozesse sowie Engpässe bei Lieferketten und Fachkräften.

Für Deutschland identifiziert die Studie besonderen Handlungsbedarf. Die Autoren kritisieren hierzulande sowohl die fragmentierte Umsetzung von Anschlussregelungen durch über 850 Verteilnetzbetreiber als auch den Mangel an Transparenz im Verteilnetz und die fehlenden Anreize zur Umsetzung regulatorischer Anforderungen und digitaler Lösungen. In anderen Ländern würden einige Punkte besser laufen. Henri Schmitz fordert daher u.a., dass sich die Bundesregierung und die Bundesnetzagentur ein Beispiel an Griechenland nehmen und Netzbetreiber auf Basis eindeutiger Vorgaben in die Pflicht nehmen sollten.

Zur Methodik der Studie

Die Studie hat ausschließlich Projekte mit einer Leistung von mehr als 1 Megawatt betrachtet. Die Analyse für Deutschland erfolgte auf Basis von Daten aus dem Marktstammdatenregister und der SMARD-Datenbank, teils ergänzt um plausibilisierende Schätzungen. Angaben zum geschätzten Investitionswert der betrachteten Projekte basieren auf der Anwendung technologiespezifischer Kapital- und Betriebskosten sowie Realisierungswahrscheinlichkeiten (20% für Wind, 25% für PV und Speicher, reduziert auf 10% in Fällen, wo Anschlusswarteschlangen technologiespezifische Ausbauziele überschreiten).