Wenn Abfall Energie speichert: Wie EEW das Energiesystem flexibler macht

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26.05.2026 Hauptartikel
Sebastian Wittag Sebastian Wittag Journalist
Wenn Abfall Energie speichert: Wie EEW das Energiesystem flexibler macht
© EEW Energy From Waste GmbH

Die Energiewende stellt das Stromsystem vor neue Herausforderungen: Je stärker Wind- und Solarenergie ausgebaut werden, desto wichtiger werden flexible, verlässliche und netzdienliche Lösungen. EEW Energy from Waste ist in diesem Umfeld ein zentraler Akteur: Das Unternehmen betreibt europaweit 19 Standorte, beschäftigt mehr als 1.200 Mitarbeitende, verarbeitet jährlich rund 5 Millionen Tonnen Restabfälle und produziert damit genug Strom für gut 800.000 Haushalte. Damit verbindet EEW Entsorgungssicherheit mit Strom-, Wärme- und Dampfversorgung für Kommunen und Industrie.

Am Standort Premnitz zeigt EEW nun, wie thermische Abfallverwertung künftig noch stärker zur Stabilität des Energiesystems beitragen kann. Als erstes Abfallheizkraftwerk Deutschlands integriert EEW dort Batteriespeichertechnologie und verbindet damit grundlastfähige Energie aus Abfall mit zusätzlicher Flexibilität für einen volatilen Energiemarkt. Im Interview spricht Timo Poppe darüber, welche Rolle EEW in der Energiewende einnimmt, warum Speicher, Wärmenetze und steuerbare Anlagen an Bedeutung gewinnen und weshalb Kreislaufwirtschaft mehr umfasst als Recycling allein.

Mit dem Batteriespeicher in Premnitz geht EEW einen wichtigen Schritt hin zu mehr Flexibilität im Energiesystem. Was sagt dieses Projekt über die künftige Rolle von EEW in einem zunehmend volatilen Energiemarkt aus?

Timo Poppe: EEW steht traditionell für zuverlässige, grundlastfähige Energie aus Abfall. Wie verändert sich diese Rolle in einem Energiemarkt, der immer stärker von Volatilität, Flexibilität und Systemdienstleistungen geprägt ist?

Unsere Rolle wird größer – nicht anders. Verlässliche Energie bleibt die Basis. Gerade in einem System mit viel Wind und Sonne braucht es steuerbare Leistung.

Gleichzeitig entwickeln wir unsere Anlagen weiter: mehr Flexibilität, bessere Integration ins System und die Fähigkeit, schnell auf Markt- und Netzsignale zu reagieren.

Wir sind damit nicht nur Energieerzeuger, sondern ein aktiver Teil des Energiesystems – mit einer klaren Aufgabe: Stabilität sichern und erneuerbare Energien integrieren.

Wo sieht EEW heute seine größte energiewirtschaftliche Stärke?

Timo Poppe: Unsere Stärke liegt in der Kombination.

Wir verbinden verlässliche Stromerzeugung mit regionaler Wärmeversorgung und bauen gleichzeitig unsere Flexibilität aus.

Wir liefern Strom für die Netzstabilität, Wärme und Dampf für Städte und Industrie und entwickeln uns parallel in Richtung flexibler Vermarktung und Systemdienstleistungen weiter.

Genau diese Verbindung macht uns im Energiesystem der Zukunft relevant.

Welche Rahmenbedingungen braucht ein Unternehmen wie EEW aus der Politik und vom Markt, um seine Rolle in der Energiewende noch stärker ausbauen zu können?

Timo Poppe: Die Technologien sind da – entscheidend sind die Rahmenbedingungen.

Wir brauchen Planungssicherheit für langfristige Investitionen, vor allem in Speicher, Wärmenetze und CO₂-Management.

Dazu kommt Infrastruktur: CO₂-Transport und -Speicherung genauso wie der Ausbau von Wärmenetzen. Und wir brauchen Märkte, die mehr abbilden als nur Energiepreise – nämlich auch Flexibilität, Versorgungssicherheit und Netzdienlichkeit.

Wenn das zusammenkommt, kann die Transformation deutlich schneller Fahrt aufnehmen.

Welche Rolle können steuerbare Anlagen wie die von EEW in einem Stromsystem spielen, das immer stärker von wetterabhängiger Einspeisung geprägt ist?

Timo Poppe: Mit dem Ausbau von Wind und Photovoltaik steigt die Volatilität im System.

Damit wächst auch der Bedarf an steuerbarer, verlässlicher Leistung. Genau hier setzen wir an: Unsere Anlagen liefern planbare Energie – und zunehmend auch flexible Einspeisung.

In Kombination mit Speichern können wir Strom gezielt dann bereitstellen, wenn er gebraucht wird. Das macht uns zu einem stabilisierenden Faktor im Energiesystem.

Recycling bleibt wichtig, aber es reicht nicht immer aus. Wie sollte eine ehrliche Nachhaltigkeitsdebatte aussehen?

Timo Poppe: Eine ehrliche Debatte muss die Realität anerkennen: Es wird immer Abfälle geben, die nicht recycelbar sind.

Selbst Materialien wie Papier lassen sich nur begrenzt oft wiederverwerten. Dazu kommen hygienische Abfälle oder Stoffe, bei denen Recycling technisch oder wirtschaftlich keinen Sinn ergibt. Für diesen Rest ist die thermische Behandlung oft die beste Lösung – vorausgesetzt, sie passiert effizient und verantwortungsvoll.

Wir nutzen die Energie in Kraft-Wärme-Kopplung, erzeugen Strom, Wärme und Dampf und entfernen gleichzeitig Schadstoffe kontrolliert aus dem Kreislauf. Mit fortschreitenden Recyclingtechnologien verschiebt sich dabei der Charakter der verbleibenden Abfälle: Sie werden zunehmend anspruchsvoller – oft komplexer, heterogener in der Zusammensetzung und schwerer zu behandeln.
Unsere Antwort darauf ist nicht mehr Masse, sondern mehr Qualität.

Mit Digitalisierung, Automatisierung und KI optimieren wir unsere Prozesse und passen sie an veränderte Stoffströme an. So bleiben unsere Anlagen auch bei sinkenden Mengen ein stabiler Bestandteil von Kreislaufwirtschaft und Energiewende.

Was bedeutet Kreislaufwirtschaft für EEW ganz konkret?

Timo Poppe: Kreislaufwirtschaft endet nicht beim Recycling. Sie umfasst auch den Umgang mit unvermeidbaren Reststoffen.

Unser Anspruch ist, daraus möglichst viel Nutzen zu ziehen: Energie, Wärme, Dampf und zurückgewonnene Rohstoffe. Perspektivisch gehört auch CO₂ dazu – als Rohstoff oder im Kontext negativer Emissionen.

Damit sind wir ein fester Bestandteil der Kreislaufwirtschaft und gleichzeitig eine tragende Säule der Energiewende. Wir verbinden Entsorgungssicherheit, Energieversorgung und Rohstoffrückgewinnung zu einem integrierten Systembeitrag. Oder einfacher gesagt: Aus Entsorgung wird Wertschöpfung
 

CEO Timo Poppe © EEW Energy From Waste GmbH